GEZ

Bitte abschalten!

Die Versorgungsmentalität der Deutschen beginnt beim Fernsehen, wo Privatwirtschaft angeblich Unheil ist. Es ist höchste Zeit, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk radikal abzubauen. Denn für Qualität gibt es einen Markt

Es gibt hunderte Anekdoten über das Gebührengrab GEZ. Jeder Berliner Journalist wunderte sich schon, wie viele verschiedene Vertreter von Landesrundfunkanstalten zu Hintergrundgesprächen auftauchten, und vor allem: wie wenig danach journalistisch herauskam. Am schönsten ist vielleicht die Geschichte der chinesischen Studentin, die vor Jahren nach einer stundenlangen Führung über das ZDF-Gelände am Lerchenberg nur noch eine Frage hatte: „How many channels?“

Inzwischen, könnte man einwenden, hat das ZDF einige Programme mehr. Nischenkanäle, in die Qualität abwandert, während die Stammprogramme veröden und verblöden. Auf den Radiokanälen passiert dasselbe. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat den Auftrag, eine Grundversorgung zu gewährleisten und ein Marktversagen auszugleichen. Das gilt aber weder für die Dauerbeschallung der Volksmusiksendungen, noch für die teure Übertragung von Champions-League-Spielen.

Für beides gäbe es sehr wohl einen privaten Markt. Die privaten Anbieter können nur nicht mit dem sieben-Milliarden-Etat konkurrieren. So hat sich die Anzahl der Fernsehleute, die bei Champions-League-Spielen vorfahren, seit dem Wechsel von Sat1 zum ZDF verdoppelt. Der öffentliche-rechtliche Rundfunk ist längst eine Versorgungsanstalt, effizient wirtschaften tut er nicht. Das wäre weniger ein Problem, wenn der Output stimmen würde. Doch wer liefert seit Jahren die Storys, die Skandale, die Analysen, die das Land bewegen? Der Spiegel, die FAZ, die Süddeutsche. Und hat jemals jemand eine öffentlich-rechtliche Presse verlangt?

Klar, es gibt auch Panorama, Monitor und hin und wieder eine gute Dokumentation. Doch der Erkenntnisgewinn der Beiträge geht selten über die Zeitungslektüre hinaus. Von den unfassbar teuren politischen Talksendungen ganz zu schweigen. Wer sagt eigentlich, dass es nicht auch im Fernsehen und im Radio eine Nachfrage nach Qualität gibt, die sich privat finanzieren ließe? Halten wir die Bevölkerung für so dumm? Die Presse hat tatsächlich gerade Probleme, ihre teure Recherche finanziert zu bekommen. Und tatsächlich gäbe es so einige Skandale, die es aufzudecken gäbe. Doch ARD und ZDF bringen vor allem Eskapismus für die politikverdrossene Gesellschaft.

Letztlich bleiben nur wenige Felder, bei denen es Marktversagen gibt: zum Beispiel bei den Auslandskorrespondenten. Private würden sich wohl kein so üppiges dauerhaftes Netz leisten. Aber auch da leben ARD und ZDF über die Verhältnisse. Während Reporter von RTL und NTV durch die Länder reisen, machen ARD-Korrespondenten ihre privaten Pilotenscheine oder drehen Liebhabereportagen für die Spartenkanäle. Was wir brauchen: ein, zwei ordentliche, wirtschaftlich arbeitende Sender mit ein, zwei Talks, ein, zwei Unterhaltungssendungen, ein bisschen Fußball und ansonsten: die volle Information.

 

Stefan Tillmann ist Gründer des Opinion Clubs. Seine Lieblingssendung ist „Stuckrad Barre Late Night“, bei der ZDF Neo so lange mit der Fortsetzung zögerte, bis die Produktionsfirma Ulmen TV zu Tele 5 wanderte.

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