Wahlen

Her mit der Sushi-Preisbremse!

Wahlkampf ist wunderbar. Alle Parteien versprechen allen alles. Aber da ist noch deutlich mehr drin als etwa eine Mietpreisbremse. OC-Autor Falk Heunemann hat noch ein paar Ideen für den Wahlkampf

Deutsche Mieter dürfen sich freuen. Egal, wie die Wahl im Herbst ausgeht, es werden Parteien regieren, die eine Mietpreisbremse wollen. Damit setzen sie nach 64 Jahren Bundesrepublik endlich das Grundrecht auf billige Wohnungen in Kreuzberg und im Glockenbachviertel um. Schließlich kann es doch nicht angehen, dass 30-jährige Werber und Galaotrinker nur deshalb für ein Apartment mehr zahlen sollen, weil es größer ist oder schicker oder zentraler oder gedämmter oder balkonhafter als die in Marzahn und am Mümmelmannsberg.

Schade ist nur, dass die Politik nicht weiterdenken kann. Warum soll es nur eine Preisbremse für Wohnungen geben? Essen und Getränke sie doch sogar noch essenzieller als Wohnraum. Wo also bleibt die die Bionade-Preisbremse? Wo der Ruccola-Teuerungsstopp und der Sushi-Inflationsausgleich? Es gibt schließlich auch ein Grundrecht auf bezahlbares Essen aus der eigenen Region – und das endet bereits beim türkischen Spätkauf-Händler um die Ecke.

Außerdem, Mieten und Wohnen ist viel zu statisch gedacht in unserem mobilen Gesellschaft. Was nutzt schon eine billige Drei-Zimmer-Wohnung im Frankfurter Westend, wenn man von dort am Wochenende nicht aufs Land flüchten kann. Nun gut, beim ÖPNV gibt es dank der Schwarzfahrer-Warner bei Facebook preislich nicht mehr viel zu verbessern. Aber auch Biancchi-Räder, Mini Cooper und Bugaboo-Kinderwagen müssen endlich der staatlichen Preiskontrolle unterworfen werden.

Der Markt, das ist ganz offensichtlich, hat versagt, Mittelschichtsöhnen und -töchtern ein voll ausgestattetes Leben zu ermöglichen. Deshalb, ihr Söhne Mannheims und Oldenburgs, ihr Mönchengladbacher, Blankeneser und Kronberger, wehrt Euch! Nehmt euer iPhone 5 oder euren AirMac und schreibt einen kämpferischen Facebook-Eintrag oder einen furiosen Twitter-Kommentar. Schließlich wisst Ihr doch am allerbesten, wie die Weltprobleme zu lösen sind.

Falk Heunemann, Netznutzer seit 1994, auf der Welt seit 1977, lebt als Autor in Hamburg, Einst Parlamentskorrespondent für die „Thüringer Allgemeine“ und Kommentarredakteur für die „Financial Times Deutschland“. Absolvent der Deutschen Journalistenschule München, Buchautor (u.a. „Die Erfindung der Linkspartei“), Gewinner des Glossenpreises „Segen 2012″.

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