Gesellschaft

Kein Baby an Bord!

Kinder machen Lärm, sind unruhig, kleckern. Das kann Erwachsenen ganz gewaltig auf den Keks gehen, vor allem, wenn es nicht ihre eigenen Kinder sind. OC-Autorin Angelika Dehmel plädiert deshalb für eine Zwei-Klassen-Gesellschaft in Bahn und Flugzeug. Zumal diese Art der Apartheid ein paar praktische Nebeneffekte hätte

 

Entschuldigung, aber ich mag eigentlich keine Kinder. Nicht per se, bei manchen kann auch ich mich nicht gegen das manipulative Kindchenschema wehren. Gerade in öffentlichen Verkehrsmitteln ertrage ich aber die Nebenwirkungen des Wachstums wie heulen, treten und hysterisch-auf-dem-Boden-zappeln nicht. Ich kann weder arbeiten noch lesen, kriege Kopfweh, schlechte Laune – und vor allem, ich kann nicht weg! Flüchten ist im Flieger keine Option. Genauso übrigens wie der Versuch, die Eltern nett und höflich um etwas mehr Ruhe zu bitten.

Umso mehr freut mich die Nachricht, dass sich nun wieder eine Airline dazu entschlossen hat, quälgeisterfreie Zonen einzurichten. Für einen kleinen Aufpreis gibt es bei der Billigairline Scoot (ich weiß, die kennt kaum jemand, aber alleine der Gedanke zählt) Ruhe über den Wolken. Bitte mehr davon! Ich würde nicht nur im Flugzeug dafür einen Aufpreis zahlen. Sondern gerade auch im Zug.

Es sollte doch nicht so schwer sein, bei der Sitzplatzreservierung der Deutschen Bahn neben Fenster oder Gang auch die Kategorie Kinderlos wählen zu können. In niederländischen Zügen gibt es so etwas in der Art sogar schon: Eigens gekennzeichnete Stille-Abteile, in denen Handygespräche, Unterhaltungen und brüllender Nachwuchs unerwünscht sind. Die Schaffner kontrollieren das recht stringent und fordern einen bei Nichtbeachtung auch zum Waggonwechsel auf. Das sogenannte Ruheabteil bei der Deutschen Bahn ist dagegen ein Witz. Dort ist nur der Handyempfang schlechter.

Ganz nebenbei kann so eine Zielgruppentrennung auch gut für die Erziehung sein. Stellen Sie sich nur einmal richtig volle Eltern-Kind-Wagen vor. Wenn dort unisono gebrüllt, gekleckert und in die Sitze getreten wird, dann erkennen vielleicht manche Erzeuger, dass antiautoritäre Erziehung auch in (auf) die Hose gehen kann. Zur Prävention taugt so ein Abteil auch. Ein Zwangsaufenthalt dort wäre ein wirksames Mittel gegen Teenie-Schwangerschaften. Wenn man die Adoleszenten einmal von Hamburg nach Hannover in so einem Kinderabteil mitfahren lässt, vergisst garantiert keiner mehr von denen im Sog der Leidenschaft das Kondom. Und ich habe künftig ein Baby weniger an Bord.

 

Angelika Dehmel hat bisher keine Kinder und genießt auf ihren Bahnfahrten in  Holland die Ruhe im Stille-Abteil der niederländischen Bahn. Über das Thema Kinder im öffentlichen Raum hat sie sich bereits heftige Gefechte mit den Müttern in ihrem Freundeskreis geliefert.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne 33 Bewertungen (3,21 von 5)