Wahlen

Wie man gegen Merkel anstinkt

Es wird Herbst und die ersten Wahlplakate poppen wie Pilze an den unmöglichsten Stellen in Städten und Dörfern auf. Was für eine langweilige Form der Wählermanipulation! Neues muss her, und deshalb hat Angelika Dehmel einen Vorschlag für die Parteien: Versucht es doch mal mit Duftmarketing!

Wie das wirkt, kennt jeder aus dem Supermarkt. Eigentlich will man nur Milch kaufen. Dann riecht man das frische Brot – und am Ende des Regalslaloms ist der Wagen voll. Dass man für jede Gelegenheit nur den richtigen Duft finden muss, zeigt auch eine neue Studie der Universitäten von Antwerpen und Hasselt. Die Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Schokoladenduft Menschen in Buchläden zum Kauf von romantischen Büchern verführt. Die Schokogehirnwäsche lenkt sogar die Kunden ab, die mit einem klaren Ziel in den Laden gekommen sind. Genau so etwas brauchen auch SPD, Grüne und Co., um gegen Merkel anzustinken.

Die Grünen haben es noch am leichtesten: irgendeinen Frischeduft wie Ozeanbrise, Tannenrauschen oder Frühlingswiese. Zur Not fragt man da einfach bei führenden Weichspülerherstellern nach, die wissen, wie man die Natur kopiert.

Bei den Linken wird es schon herber. Ich erinnere mich noch daran, wie ich als Kind nach der Wende mit meinen Eltern in die Ex-DDR fuhr – und dort die Braunkohleberge vor den Häusern sah. Die Luft war diesig, und ich roch den Staub nicht nur, ich schmeckte ihn. Für Ostalgiker aber weckt das Erinnerungen an die gute alte Vollbeschäftigung. Da setzt man doch gern sein Kreuz.

Die FDP braucht dagegen, ganz simpel, den Geruch des Geldes. Ich empfehle Trüffel. Suggeriert Luxus und ist penetrant genug, um lange in Kopf und Nase zu bleiben.

Olfaktorisches Sorgenkind dagegen ist die SPD. Sie kommt noch immer rüber wie der Held aus dem Bestseller „Das Parfum“: ziemlich geruchsneutral. Am besten setzen die noch mal ein paar Wissenschaftler daran, um die Wirkung diverser Gerüche an Wechselwählern zu testen.

Hat man erst mal seine Duftmarke gefunden, geht es ans Betäuben der Bevölkerung. Klassiker: der parfümierte Brief. Der Text ist dabei egal, Parteiprogramme interessieren die Wenigsten. Auch die Wahlplakate kann man gut mit dem parteispezifischen Nervengas imprägnieren.

Der wichtigste Angriff auf den Geschmack aber erfolgt direkt vorm Gang zur Urne. Vor den Wahllokalen der Republik stehen die Ortsvertreter der Parteien Spalier und besprühen die Wähler noch ein weiteres Mal mit ihren Duftmarken. Dort gesellt sich dann auch die Piratenpartei in letzter Sekunde (sie konnte sich nicht auf einen Geruch einigen) hinzu. Mit Wasserpistolen und dem Duft von Fischstäbchen.

 

Angelika Dehmel hat ein Faible für alles Niederländische und liest sogar Studien holländischer – oder zur Not auch flandrischer – Universitäten, was sie in mindestens einem Fall sehr lehrreich fand. Den Großteil ihres bisherigen Journalistenlebens verbrachte sie bei der “Financial Times Deutschland”. Erst als Volontärin, dann als Blattmacherin Online und von Oktober 2011 bis Ende 2013 als Redakteurin und Blattmacherin Finanzen. Zwischendurch war sie dank eines Stipendiums zwei Monate lang Gastredakteurin bei “Het Financieele Dagblad” in Amsterdam.

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