Wahlen

Freund, Feind, Parteifreund

Wahlkampf ist eine feine Sache – wenn es nicht die eigenen Parteifreunde gäbe. Sigmar Gabriel, Helmut Kohl und Sahra Wagenknecht haben ihren Truppen in diesen Tagen faule Eier ins Nest gelegt. Wir haben eine Ahnung, wer die nächsten sein werden

 

Für Parteimitglieder ist Wahlkampf eine Lust. Sie können Wahlplakate aufstellen und sich freuen, wenn sie die Konkurrenz beim Kampf um den besten Platz ausstechen. Sie können ihre Stammtisch-Polit-Debatten auf die Straße verlagern. Sie dürfen sich freuen, wenn die Umfragewerte hochgehen, je näher der Wahltag rückt. Wahlkampf kann Bewegung in die verkrustetsten Parteien bringen.

Wahlkampf hat seine eigenen Gesetze. Und eines dieser Gesetze besagt, dass im schönsten Augenblick, wenn alle anderen so schön miteinander füreinander arbeiten, dass just in diesem Moment einer reingrätscht und mit den Hintern das einreißt, was der Rest der Partei in Monaten mühevoller Arbeit aufgebaut hat. Laut Gesetz ist das stets ein Parteifreund.

In den letzten Tagen gab es wieder hübsche Beispiele für diese Gesetzmäßigkeit. Da lässt sich SPD-Chef Sigmar Gabriel dabei ertappen, wie er mit seinem Dienstwagen mit 180 Sachen über die Autobahn brettert. Das wäre nicht weiter verwerflich, hätte er nicht wenige Wochen zuvor öffentlich für Tempo 120 geworben. Dumm gelaufen.

Da lässt sich CDU-Altkanzler Helmut Kohl in seinem Oggersheimer Garten gemeinsam mit den FDP-Spitzenleuten Rainer Brüderle und Philipp Rößler ablichten – ein unübersehbares Signal des Ex-CDU-Chefs für eine Zweitstimmen-Kampagne zugunsten der schwindsüchtigen Liberalen. So etwas hat es früher schon gegeben. Nur will die amtierende CDU-Chefin Angela Merkel dies diesmal partout nicht, weil sich die Christdemokraten neulich in Niedersachsen mit solch einer Hilfsaktion in die Opposition katapultiert haben. Dumm gelaufen.

Da macht bei der Linkspartei Thomas Niemeyer von sich reden, bis vor einem halben Jahr Ehemann von Fraktionsvize Sahra Wagenknecht. Er kandidiert in Wilhelmshaven für den Bundestag,  obwohl er wegen Betruges und ausstehenden Kindesunterhalts ständig mit der Justiz zu tun hat. Und dann kommt auch noch heraus, dass er von der Fraktion seiner Ex-Frau und der Parteistiftung alimentiert wird. Dumm gelaufen.

Tja, das sind echte Schenkelklopfer – für die politischen Gegner. Doch die sollten sich nicht zu früh freuen. Denn wir ahnen schon, was demnächst bei denen los sein wird. Beispiele gefällig?

Die Grüne Claudia Roth, vulgo: Mrs. Veggie Day, wird beobachtet, wie sie bei McDonalds mit Heißhunger einen Burger verschlingt.

Horst Seehofer, CSU-Chef und Pkw-Maut-Promoter, wird in Frankreich ertappt, als er versucht, eine Mautstelle auf dem Seitenstreifen zu umfahren.

Bernd Lucke, Chef der euro-skeptischen „Alternative für Deutschland“, fällt in der Bundesbank-Filiale Hamburg auf, als er 420 D-Mark in kleinen Scheinen in Euro umtauscht.

Wie gesagt: Wahlkampf ist eine Lust. Vor allem für uns Nicht-Wahlkämpfer.

 

Andreas Theyssen, Autor in Berlin, hat vor zehn Jahren mal kurz als Fraktionssprecher einer kleinen Partei gearbeitet. Damals war er verblüfft, dass die Fraktionsmitglieder mehr Energie darauf verwandten, einander zu bekämpfen anstatt sich den politischen Gegner vorzunehmen.

 

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