Kolumne: Mein Held der Woche

Hör gut zu, Obama

Die Aufregung über das abgehörte Kanzlerinnen-Handy ist völlig übertrieben. Schließlich geht es Barack Obama um die nationale Sicherheit – die nationale Sicherheit Deutschlands. Und um das Leben von Horst Seehofer

Es ist ja mal wieder so typisch für die Deutschen. Da werden sie seit Jahrzehnten abgehört, von der Stasi, von der NSA, von den Russen, den Briten, den Chinesen, aber es juckt sie nicht. Assange hin, Snowdon her – viel mehr als ein Schulterzucken haben sie dafür nicht übrig.

Aber kaum wird bekannt, dass ihre Handy-Kanzlerin abgehört wurde, da sind sie empört. Typisch deutsch, diese Obrigkeitshörigkeit. Und schon gehen sie auf Barack Obama los, den quasi obersten Chef der NSA-Lauscher. Erst war er der Messias, dem sie an der Siegessäule zugejubelt haben, nun ist er der Handy-Teufel. Erst Hosianna, dann Kreuzigt-ihn. Typisch deutsch. Dabei ist Obama ein Held. Ein Superheld sogar, denn Horst Seehofer verdankt ihm sein Leben.

Sie haben ja keine Ahnung, diese Deutschen. Überhaupt keine. Meinen, Obama würde da irgendetwas Wichtiges über die Merkel erfahren. Natürlich rüffelt sie ständig den Pofalla per SMS, weil der es nicht gebacken kriegt. Aber das weiß doch eh jeder, dass es in der schwarz-gelben Koalition meist geknirscht hat, weil der Kanzleramtskoordinator sich nicht einmal selber koordiniert bekam. Also: Im Osten nichts Neues.

Kleines gallisches Dorf im Teutonen Land

Dass Merkel vor dem Schäuble einen Heidenrespekt hat, der Barroso sie nervt, sie den Rösler nicht ernst nimmt und den Gabriel für einen windigen Hund hält – ja, das weiß die NSA dank behacktem Kanzlerinnen-Handy. Nur: Das weiß auch jeder Deutsche, der regelmäßig Zeitung liest und nicht nur Katzenbilder im Internet guckt. Es ist also nichts Dolles, was die NSA via Kanzlerinnen-Handy hört. Aber das hat offenbar nur ARD-Programmdirektor Volker Herres kapiert und deswegen einen „Brennpunkt“ abgeblasen. Guter Mann, so eine Art personifiziertes kleines gallisches Dorf im wilden Teutonen-Land.

Aber wir wollen die Angelegenheit nicht völlig herunterspielen. Schließlich geht es um die nationale Sicherheit. Um die nationale Sicherheit Deutschlands!

Angela Merkel tut immer so harmlos mit ihrem uckermärkischen Blubbersprech und den gerauteten Händen. In Wahrheit aber ist sie brandgefährlich, wie die NSA nun weiß. Denn wann immer der Seehofer dahinten in Bayern auch nur querschießerisch die Gosch’n aufreißt, gar das Wort Pkw-Maut in den Mund nimmt, dann tickt die Tut-nix-Kanzlerin völlig aus. „Den bring’ ich um“, simst sie dann ihrer Busenfreundin Schavan. Die Deutschen wissen das nicht, aber die NSA weiß es. Und deshalb hört sie immer mit. Nur für den Fall, dass die Kanzlerin ihren Worten ausnahmsweise einmal Taten folgen lässt.

Vielleicht begreifen diese Deutschen nun endlich mal, dass die ganze Abhörerei nur zu ihrem besten ist. Und vor allem zum besten von Horst Seehofer.

Andreas Theyssen, Autor in Berlin, berichtet seit gut einem Vierteljahrhundert über Politik. Er hat sich angewöhnt, besonders absurde Entwicklungen nur noch sarkastisch zu sehen.

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