Glosse

Teuflische Kontrolle

Das Tamagotchi war vorgestern, jetzt kommt die fernsteuerte Kakerlake ins Kinderzimmer. Doch die elektronische Kontrolle hat mehr praktische Anwendungsmöglichkeiten, als man denkt

Die Mittelalten unter Ihnen werden sich sicher noch an das Tamagotchi erinnern. Dieses nervig piepende Computer-Ei, in dem ein vogelähnliches Vieh lebte, um das man sich virtuell kümmern musste. Tat man das nicht, starb das Küken, und es blieb einem nur der Neustart übrig.

Die Version für die Jugend von heute ist da schon ein wenig ausgefeilter. Für 99 Dollar plus Versandkosten kann man sich beim US-Unternehmen Backyard Brains ein Selbstbau-Set für ferngesteuerte Kakerlaken bestellen. Enthalten sind dabei die Elektronik, ein kleines Chirurgen-Set zum Implantieren der Elektroden und, natürlich, eine lebende Kakerlake. Nach ein wenig herumtesten und operieren im Frankensteinmodus ist die „RoboRoach“ startklar und kann kontrolliert werden – via Bluetooth geht das Steuern sogar mit dem Smartphone.

Ich kann mir vorstellen, wie kleine Nerds das Ganze perfektionieren und dem nervigen Bruder auch so eine Fernsteuerung verpassen. Das Potenzial für weitere Optimierungen ist natürlich enorm, alleine schon in der Politik. Bundeskanzlerin Angela Merkel würde so eine Fernsteuerung sicher gerne in die Köpfe der SPD-Spitzen implantieren. Da reicht auch schon die Möglichkeit, kleine Bewegungen zu kontrollieren, damit die Genossen das Betreuungsgeld abnicken oder zu Steuererhöhungen den Kopf schütteln.

Ein Alibi für den Bischof

Noch besser aber natürlich wäre es, diese Gehirnkontrolle als Verteidigungsstrategie zu nutzen. Der Limburger Bischof Tebartz-van Elst müsste bei seiner Audienz beim Papst nur beteuern, er sei wie ferngesteuert gewesen, als er die Kosten für seine Umbauten genehmigt hat. Und wenn es zur Frage kommt, wer denn bei dieser modernen Form der Besessenheit die Finger im Spiel hatte, muss er einfach nur auf den Teufel verweisen. Der darf sich schließlich auch technisch weiterentwickeln.

Praktischerweise muss der Bischof sich auch gar nicht an die Prozedur erinnern können: Zumindest bei der Kakerlake funktioniert die Kontrolle nicht auf Dauer. Nach rund zwei bis sieben Tagen klappt es nicht mehr mit der Stimulation. Der Hersteller empfiehlt in dem Fall, die Drähte zu entfernen und die Kakerlake in einer Box mit anderen Kakerlaken in Rente zu schicken, wo sie dann fleißig Nachkommen für die nächste Generation „RoboRoaches“  produzieren soll.

Für katholische Bischöfe ist das natürlich nur bedingt zur Nachahmung empfohlen.

Während ihres Studiums in Australien hat sich OC-Autorin Angelika Dehmel mehrfach gewünscht, sie könnte die zahlreichen Kakerlaken in ihrem Zimmer zum mehr oder minder friedlichen Verlassen der Räumlichkeiten bewegen. Es half aber meistens nur rohe Gewalt.

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