Frauenquote

Gleiches Recht für alle! Gegen die Quote!

Die Koalition scheint sich einig. Die Quote kommt. Künftig sitzen Frauen und Männer quotiert in Führungsgremien. Das mag nett klingen, ist aber demokratisch und demografisch absolut kontraproduktiv. Die alten Ansätze der karrierebewussten Emanzen sind überholt

Die Geschichte der Emanzipation ist eine Geschichte voller Versäumnisse und Missverständnisse. Ging es anfangs um wesentliche und heute unabdingliche Dinge wie das Wahlrecht, die freie Berufswahl und das Recht auf Scheidung, haben irgendwann die Karrieristen unter den Frauenrechtlern die Führung übernommen. Es ging irgendwann nicht mehr nur um das Recht und die Möglichkeit einer Karriere. Nein, Frauen, die zugunsten einer Familie freiwillig beruflich kürzer traten, machten nach Meinung von Bascha Mika und Konsort_Innen (sic!) etwas falsch.

Da die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Deutschland lange schwierig war, wählten viele Frauen die Karriere. Akademikerinnen sind manchen Jahrgängen zu 40 Prozent kinderlos geblieben. Das ist demografisch ein Desaster – und letztlich krankt fast jedes ökonomische Problem an der Demografie. Die Frage ist nur, welche Lehre die Gesellschaft daraus zieht. Mehr Möglichkeiten zu schaffen, dass beide Partner arbeiten können, ist sicher richtig. Gleiche Bezahlung für gleiche Jobs sowieso. Nur ist Beruf nicht gleich Karriere. Die Frage ist also, warum der Staat weibliche Führungskräfte erzwingen soll. Schließlich sind die Anforderungen in Deutschland vielfach so, dass zwei Führungskräfte mit Zwölf-Stunden-Tagen kaum nebenher Kinder erziehen können.

Ein Paar mit Kindern, dem zwei stinknormale Jobs nicht ausreichen, wird immer vor der Frage stehen, dass nur einer Karriere machen kann. In der Regel sind das die Männer. Das ist nicht verwunderlich, weil Frauen Kinder kriegen, pausieren und alleine durch die Schwangerschaft zumindest anfangs eine größere Bindung zum Kind verspüren. Wenn eine Quote nun mehr Frauen in Führungspositionen drückt, werden sicher einige Männer kürzer treten. Viele karrierebewusste Frauen werden sich aber weiter gegen Kinder entscheiden. Oder die Infrastruktur der Kindertagesstätten wird so ausgebaut, dass Vater Staat eine Zwölf-Stunden-Unterbringung leisten kann.

Die Quotenfreunde hängen also seltsamen DDR-Ideologien einer staatlichen Erziehung nach oder sind seltsam karriereversessen. Zeitgemäß sind sie jedenfalls nicht. Karriere hat bei Männern wie Frauen der so genannten Generation Y nicht mehr den Stellenwert, die sie früher hatte. Jüngere Generationen wollen die viel beschworene work-life-balance, sie wollen Geld verdienen, aber nicht mehr um jeden Preis. Und auch Männer sind zunehmend bereit, kürzer zu treten und der Frau den Vortritt zu lassen, wenn sie denn will. Das alles könnte sowieso eine private Entscheidung von Paaren bleiben, wenn die Männerdominanz nicht gesellschaftlich Nachteile schaffen würde. Komischerweise haben die karrierebewussten Frauenrechtler und inzwischen auch viele Politiker diese konstatiert, die Frauendominanz in Kitas, Kindergärten und Grundschulen scheint dagegen kein Problem zu sein, dabei sind diese Berufe gesellschaftliche wesentlich wichtiger.

Wichtiger wäre es, die Arbeitszeiten auf ein Normalmaß herunterzuschrauben. Gerade Führungskräfte arbeiten zu viel, obwohl sie es gar nicht müssten. Das ist eine Frage der Kultur, bei der auch die Unternehmen gefordert werden müssen. Schließlich sind die Firmen die größten Profiteure des Betreuungsausbaus. Im vielbeschworenen Skandinavien arbeiten auch viele Führungskräfte von 8 bis 16 Uhr, sodass dort Mann wie Frau Karriere machen kann und gleichzeitig sich um die Kinder kümmern kann. Immer mehr Frauen in die Spitze zu holen und zum Ausgleich die Öffnungszeiten der Kindertagesstätten zu verlängern, bringt gesellschaftlich niemanden etwas.

Stefan Tillmann ist Mitgründer des Opinion Clubs und im Zweifel immer dagegen, dass der Staat dem Einzelnen Vorschriften macht

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne 8 Bewertungen (4,75 von 5)