Mindestlohn

Die Ausnahme von der Ausnahme

Die CSU fordert beim Mindestlohn eine Ausnahme für Rentner und Studenten. Doch das ist absurd, wie nun auch ein Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages belegt

Nun also als Gutachten: Rentner und Studenten, besagt das Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages, sind normale Arbeitnehmer und damit nicht von einer Mindestlohnregelung auszunehmen, wie es vor allem die CSU fordert. Richtig – aber nicht, weil alle normalen Arbeitnehmer gleich sind, sondern weil Studenten und Rentner bereits Ausnahmen sind, und schon jetzt in den Personalkosten günstiger als der Otto Normalarbeiter. Schon vergessen?

Die geplanten 8,50 Euro sind das so genannte Arbeitnehmerbrutto. Arbeitgeber müssen also nicht nur diese Summe einplanen, sondern noch 20 Prozent drauflegen, ihren Anteil an den Sozialabgaben – das Arbeitgeberbrutto. Ausgenommen sind davon nur: Studenten. Für sie wird weder Rentenversicherung, noch Arbeitslosenversicherung und Krankenversicherung gezahlt, solange es ein Nebenjob ist. Das ist der Grund, warum Studenten nach dem Studium direkt in Hartz IV knallen, wenn sie keinen Job finden, und warum sie wohl nie in den Genuss der geplanten Rente mit 63 kommen.

Rentner hingegen, soweit sie das gesetzliche Renteneintrittsalter erreicht haben (also derzeit in der Regel 65 plus X Monate), dürfen sich reich und rund verdienen – ohne Arbeitslosenversicherung, ohne Rentenversicherung. Ihr Verdienst ist nur relevant für die Krankenversicherung und für die Steuer, wenn es kein Minijob ist. Wer vor dem Erreichen der Altersgrenze arbeitet, muss beachten, dass es Hinzuverdienstgrenzen gibt – wer zuviel verdient, dem wird die Rente gekürzt. Das ist einer der Gründe, warum Rentner Minijobs schätzen.

Mit anderen Worten: Studenten wie Rentner sind deswegen als Mitarbeiter so attraktiv, weil sie für die Unternehmen schon jetzt billiger sind als normale Arbeitnehmer. Es gibt also keinen Grund, sie noch billiger zu machen.

Maike Rademaker, Journalistin in Berlin, ist Arbeitsmarkt- und Sozialexpertin. Sie schrieb für die “Financial Times Deutschland” und die “tageszeitung” und ist regelmäßiger Gast im ARD-Presseclub.

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