Kolumne: Mein Held der Woche

Gut gemacht, Olaf Scholz

Hamburgs Bürgermeister hat seiner Partei einen großen Dienst erwiesen. Mit den Gefahrenzonen in der Innenstadt hat er belegt, dass auch Sozialdemokraten Law&Order beherrschen

Sozialdemokraten sind Luschen. Können nicht mit Geld umgehen, kümmern sich immer nur um Sozialgedöns, und den Kriminellen lassen sie viel zu viel Luft. Heißt es. Landläufig. Oder zumindest an den Wirtshaustischen in Niederbayern oder rund um Fulda.

Ist alles Quatsch, wie wir inzwischen wissen. Und wem haben wir diese Erkenntnis zu verdanken? Olaf Scholz, SPD-Bürgermeister von Hamburg. Die großflächige Gefahrenschutzzone, die er seine Polizei in der Hamburger Innenstadt einrichten ließ, die ist der beste Beweis: Wir brauchen keinen Manfred Kanther, keinen Alfred Dregger, keinen Peter Gauweiler. Nee, Sozen können so etwas auch. Und zeitgemäß ist das auch.

Olaf Scholz hat sich einfach an der NSA orientiert. Die weiß, dass irgendwo Terrorgefahr droht. Und deshalb saugt sie großflächig alles an Daten ab, was sie kriegen kann.

NSA an der Elbe

So hat es auch Scholz gemacht. Rund um die Rote Flora, dieses alternative Kulturzentrum im Schanzenviertel, gibt es ein paar durchgeknallte, gewaltbereite Irre, die Polizisten angreifen. Und deshalb hat er um die Anarchos herum weiträumig alles zur Polizeizone erklären lassen. Könnte ja schließlich sein, dass sich ein Autonomer als Mütterchen mit Einkaufswägelchen verkleidet hat, um die Davidwache anzugreifen. Da muss man – siehe NSA – schon ein paar Kollateralschäden in Kauf nehmen. Würden die Konservativen schließlich auch nicht anders machen.

Jetzt ist die Gefahrenzone zusammengeschrumpft auf ein paar Bereiche rund um Polizeiwachen. Das ist aber ein Fehler, Olaf Scholz. Denn in knapp vier Jahren ist schon wieder Bundestagswahl, es bietet sich also jetzt schon an, sich als Sozialdemokrat weiter zu profilieren. Und da gibt es reichlich Möglichkeiten.

Vorbild Falludscha

Variante eins: Wie der irakische Premier im Fall der Stadt Falludscha, die von Al-Kaida-Einheiten besetzt ist, ruft Scholz die Hamburger auf, sich zu bewaffnen und selber gegen die Anarchos vorzugehen; das nannte man schon zu Gerhard Schröders Zeiten Fordern und Fördern.

Variante zwei: In Hamburg werden Lebensmittelmarken eingeführt; die erhält aber nur, wer eindeutig nachweisen kann, dass er nicht der autonomen Szene angehört.

Variante drei: Scholz kopiert das Modell Israel; wer im Verdacht steht, mit den Autonomen zu sympathisieren, dessen Haus wird mit Bulldozern eingerissen.

Es gibt genügend zu tun. Schließlich soll Angela Merkel nicht ewig Kanzlerin bleiben. Also, Sozialdemokraten, zeigt den Konservativen, was eine Harke ist. Ihr habt schließlich Olaf Scholz.

Andreas Theyssen, Autor und Berater in Berlin, hat mehrere Jahre in Hamburg gelebt. Und wundert sich, was derzeit an der Elbe vor sich geht.

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