Kolumne: Mein Held der Woche

Sprung auf, marsch, marsch, Ursula von der Leyen

Die Verteidigungsministerin hat diese Woche bewiesen, dass sie für den Posten die Richtige ist. Erst hat sie uns mit Familiengedöns eingelullt – um nun das Afrikakorps loszuschicken

Was ist das Wesen moderner Kriegsführung? In Zeiten, in denen nicht mehr Staaten gegen Staaten antreten, sondern Kriege asymetrisch geführt werden? Der Soldat muss tarnen, täuschen und dann aus dem Hinterhalt überraschend zuschlagen. Diese Woche hat Ursula von der Leyen, die neue Chefin im Berliner Bendlerblock, bewiesen, dass sie ein guter Soldat ist.

Wir erinnern uns: Als sie ins Amt kam, fanden wir das schick. Eine Frau, die den ganzen Grau- und Blauröcken mal sagt, wo’s lang geht – das hatte was. Doch was war ihre erste Amtshandlung? Bestellte sie Kampfdrohnen oder cancelte knackig ein fettes Rüstungsprojekt? Nö, sie machte dort weiter, wo sie dereinst als Familienministerin aufgehört hatte und kündigte erträgliche Arbeitszeiten für Eltern in Uniform an. War ja nett und wichtig, aber irgendwie hatten wir was anderes erwartet. Aber wir sind ja aus testosterongesteuerte Schlichtmichel.

Ursula von der Leyen hat uns nämlich eingelullt, und das ist die raffinierte Kriegstaktik schlechthin. Während wir uns noch Gedanken machten über den familienunfreundlichen Dienst in der Bundeswehr mit seinen ständigen Standortwechseln, ständigen Schulwechseln von Soldatenkindern und viermonatigen Auslandseinsätzen von Vätern und Müttern, eröffnete die Verteidigungsministerin schon die nächste Front.

Deutschland müsse international mehr Verantwortung übernehmen, forderte von der Leyen plötzlich. Die Bundeswehr solle auch nach Afrika, nach Mali und in die Zentralafrikanische Republik, also in Krisenstaaten, wo nicht Brunnen gebohrt werden müssen, sondern mit der Waffe für Ordnung gesorgt werden muss. Statt in Afghanistan, wo die Deutschen in diesem Jahr weitgehend abziehen, soll die Bundeswehr bald in Afrika Krieg führen. Die Ministerin zeigte damit übrigens auch, dass sie noch über eine weitere militärische Fähigkeit verfügt: die des Minenhundes. Denn ein knappe Woche später erklärte ihre Chefin Angela Merkel gegenüber Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon exakt das Gleiche.

Ohne Zweifel, Ursula von der Leyen ist ein Taktikfuchs und damit die richtige Frau im richtigen Amt. Und wir sind gespannt, welches Manöver sie sich als nächstes einfallen lässt. Sollte sie demnächst Bobbycars in Tarnfleck für Kasernen-Kitas fordern, dann können wir uns darauf einstellen, dass anschließend ein Bundeswehr-Einsatz in Syrien auf dem Programm steht.

Andreas Theyssen, Autor in Berlin, hat journalistisch bereits die Verteidigungsminister Scharping und Guttenberg begleitet. Scharping war sehr unterhaltsam, Guttenberg sehr schneidig, doch Ursula von der Leyen entpuppt sich jetzt schon als gewiefter.

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