Kolumne: Mein Held der Woche

Zeig’s uns, Francois Hollande!

Wer sagt denn, dass Altern schlecht ist? Aus dem drögen Sozialisten und französischen Präsidenten hat das nahende Rentenalter auf einen Schlag einen Wirtschaftsreformer, Casanova und Traditionsbewahrer gemacht. Das macht Hoffnung

Mit 60 ist das Leben zu Ende. Man hat Kinder, ein Haus gebaut, das die Kinder inzwischen verlassen haben, man hat sich irgendwie mit dem Partner arrangiert. Ziele im Job gibt es nicht mehr, mental bereitet man sich auf den Ruhestand vor. Man befindet sich in so einer Art kontinuierlicher Basta-Leben-Haltung.

Man könnte dies als Lauf der Natur hinnehmen, gäbe es nicht einen Mann, der uns gerade beweist, dass es auch anders geht. Ein Mann, den wir bislang so langweilig fanden, dass es geradezu sensationell ist, dass ausgerechnet er uns den Weg weist. Denn wenn er das schafft, dann kann das jeder schaffen. Und mit einem Mal verliert die überalterte Gesellschaft ihren Schrecken.

Nein, wir reden nicht von Horst Seehofer. Es geht um Frankreichs Präsidenten Francois Hollande, einen Mann, der im August 60 Jahre alt wird – und jetzt mal eben sein Leben komplett umgekrempelt hat.

Zur Erinnerung: Der Mann ist eigentlich Sozialist und hat es durch viele Wahlkampfgeschenke aus dem keynesianischen Füllhorn ins Amt gebracht. Doch nun die Kehrtwende. Die Unternehmen werden bei den Lohnnebenkosten entlastet, müssen künftig weniger Sozialabgaben für ihre Mitarbeiter zahlen. Und von bürokratischen Vorschriften sollen sie auch entlastet werden. So schön kann Sozialismus sein.

Agil und viril wie ein Teenager

Das muss sich auch die Schauspielerin Julie Gayet gedacht haben. Jedenfalls fand die 41-Jährige den scheinbar faden Hollande so attraktiv, dass sie eine Affäre mit dem offiziell Liierten anfing, wie wir ebenfalls seit dieser Woche wissen. Und mit Staunen vernehmen wir, dass der fast 60-Jährige zu seinen Rendezvous mit der attraktiven Dame auf dem Moped anzureisen pflegt. Wann haben wir das zuletzt gemacht? Mit 17?

Altern kann so schön sein. Politisch wird man vernünftig, und in Liebesdingen kann man noch so herrlich töricht sein wie ein Teenager. Ganz davon abgesehen, dass sich Hollande damit sehr wertkonservativ zur Traditionspflege bekennt. Schließlich sind die Amouren seiner Amtsvorgänger wie Chirac oder Mitterand legendär.

Sicherlich, Hollandes bisherige Lebensgefährtin erlitt einen Nervenzusammenbruch angesichts des Lebens-Wandels ihres Partners. Aber das muss man wohl als Kollateralschaden hinnehmen. Es dient eben alles dem Wohl der Grande Nation. Und natürlich der psychologischen Aufbauarbeit bei zig Millionen alternden Männern.

Hollande ist eben ein Mann, der nicht nur über den demografischen Wandel palavert, sondern das Problem bei der Wurzel packt. Zeig’s uns, Francois!

Andreas Theyssen, Autor in Berlin, hat als langjähriger Politikchef der „Financial Times Deutschland“ immer fasziniert die Eskapaden französischer Spitzenpolitiker verfolgt: von Nicolas Sarkozy über Dominique Strauss-Kahn bis Jacques Chirac. Außerdem wird er in sieben Jahren 60.

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