Kolumne: Moneytalk

Börse mit begrenztem Aufwärtspotenzial

Die jüngsten Konjunkturdaten fielen überwiegend enttäuschend aus. Sie bewegten aber die Kurse nur wenig, da sie in den USA vom extrem harten Winterwetter beeinflusst waren. Während von der Eurokrise derzeit eher beruhigende Signale kommen, könnte die schwierige politische und wirtschaftliche Lage in der Ukraine die Aktienmärkte belasten. Wichtigste Kurstreiber bleiben vorerst die Notenbanken und auf längere Sicht die Wachstumsperspektiven der Weltwirtschaft

Aktienanalysten und Anleger beobachten derzeit besonders gespannt, welche Signale aus den großen Notenbanken kommen. Das jüngst veröffentlichte Protokoll der Januar-Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank Fed deutet darauf hin, dass deren Plan, die

Anleihenkäufe Monat für Monat um zehn Milliarden US-Dollar zu verringern, nur bei außergewöhnlichen Änderungen der wirtschaftlichen Aussichten ausgesetzt wird. Daraus lässt sich schließen, dass die in den vergangenen Wochen enttäuschenden Konjunkturdaten Amerikas von Fed-Chefin Janet Yellen und ihren Fed-Kollegen primär auf das ungewöhnlich harte Winterwetter zurückgeführt werden – und deshalb keinen Einfluss auf das „Tapering“ der Fed haben. Interessant ist, dass einige – wenn auch nur wenige – Mitglieder des Offenmarktausschusses sich erstmals dafür ausgesprochen haben, den Leitzins früher anzuheben als bisher im Rahmen der „Forward Guidance“, also der Orientierung über die künftige Geldpolitik, in Aussicht gestellt wurde. Trotzdem wird an den Märkten weiterhin erst für Mitte 2015 mit der ersten Leitzinserhöhung in den USA gerechnet. Das könnte sich schon bald ändern, sollten die Konjunkturdaten in der größten Volkswirtschaft der Welt demnächst wieder besser ausfallen als erwartet.

In der Eurozone warten die Börsianer mit Spannung auf die nächste Sitzung des geldpolitischen Rats der Europäischen Zentralbank (EZB), die am 6. März stattfindet. EZB-Direktoriumsmitglied Benoit Coeuré hat kürzlich gewarnt, Abwärtsrisiken für die Preisstabilität könnten sich verstärken. Zuletzt lag der Anstieg der Verbraucherpreise in der Eurozone nur noch bei 0,7 Prozent, und damit deutlich unterhalb der von der EZB angestrebten Obergrenze von 2,0 Prozent. Sollten sich die Anzeichen für mittelfristig noch niedrigere Inflationsraten häufen, sind weitere expansive Schritte der europäischen Notenbanker wahrscheinlich. EZB-Präsident Mario Draghi hat sich jedenfalls alle Türen offengehalten, um die Wirtschaft der Eurozone zu unterstützen. Hinweise auf Maßnahmen, die am 6. März möglicherweise beschlossen werden, erhoffen sich EZB-Beobachter vom Auftritt Draghis bei einem Symposium der Deutschen Bundesbank in dieser Woche. Eine Reihe von Analysten rechnet mit einer nochmaligen Senkung des Leitzinses von 0,25 auf 0,1 Prozent, ungeachtet dessen, dass viele Ökonomen sich von einem solchen Schritt wenig bis nichts versprechen.

Von der Konjunkturseite kamen in der vergangenen Woche überwiegend schwache Signale. Sie wurden an der Börse aber relativ gelassen aufgenommen und lösten keinen Verkaufsdruck aus. Der ZEW-Index der Konjunkturerwartungen für Deutschland fiel von 61,7 Punkten im Januar auf 55,7 im Februar und damit überraschend kräftig. Prognostiker hatten lediglich einen leichten Rückgang auf 61,0 Zähler vorausgesagt. In China fiel der HSBC-Einkaufsmanagerindex ebenfalls stärker als erwartet und liegt nun auf dem tiefsten Stand seit sieben Monaten. Keineswegs besser sah es bei den Indikatoren aus den USA aus: Der Empire State Manufacturing Index für die Region New York ging von 12,5 Punkten im Januar auf 4,5 im Februar zurück, während die Konsensprognose bei 8,5 gelegen hatte, der Philly-Fed-Index sank von 9,4 auf -6,3 und verfehlte damit die Markterwartung von 8,0 deutlich. Wohnungsbaubeginne und -genehmigungen sackten gleichfalls stärker als erwartet ab. Allerdings werden die ungünstigen US-Daten vorwiegend dem extrem harten Winterwetter zugeschrieben, der die wirtschaftlichen Aktivitäten in den Vereinigten Staaten teilweise erheblich beeinträchtigt hat. Demzufolge sollten die Konjunkturdaten für die kommenden Monate wieder besser ausfallen.

Für eine positive Überraschung sorgte der ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland. Die Turbulenzen in den Schwellenländern hätten durchaus dazu führen können, den Index nach unten zu ziehen. Die Unternehmen zeigen sich mit ihre gegenwärtigen Lage jedoch sehr zufrieden. Damit scheint die konjunkturelle Erholung bei den hiesigen Firmen angekommen zu sein.

Die Euro-Schuldenkrise hat sich zuletzt weiter entspannt. Italien hat eine neue Regierung, die zumindest die Absicht bekundet, notwendige Reformen rasch und energisch in Angriff zu nehmen. Freilich lehrt die Erfahrung, dass den Worten aus Rom nicht zwingend entsprechende Taten folgen werden, weshalb Skepsis angebracht ist. Eindeutig positiv ist dagegen zu werten, dass die Ratingagentur Moody’s die Bonitätsnote Spaniens um eine Stufe von „Baa3″ auf „Baa2″ heraufgesetzt hat. Damit wird das Land jetzt zwei Stufen über Ramschniveau bewertet, mit positivem Ausblick. Moody’s begründet die Hochstufung mit der gestiegenen Wettbewerbsfähigkeit Spaniens und den Reformen an Arbeitsmarkt und Rentensystem. Damit habe Spanien Chancen auf ein stärkeres und nachhaltigeres mittelfristiges Wirtschaftswachstum.

Zunehmende Sorgen könnte den Börsianern dagegen die Ukraine bereiten. Standard & Poor’s (S&P) sieht den flächenmäßig zweitgrößten Staat Europas auf dem Weg in Richtung Staatspleite und hat dessen Rating zum zweiten Mal innerhalb von drei Wochen gesenkt. Es liegt nun bei „CCC“, mit negativem Ausblick, was bedeutet, dass eine nochmalige Rückstufung droht. S&P: „Die Fähigkeit der Regierung, ihren Schuldendienst zu leisten, ist einem erhöhten Risiko ausgesetzt.“ Somit müssen ukrainische Staatsanleihen als hochspekulativ angesehen werden. Immerhin haben die EU, die USA und der Internationale Währungsfonds (IWF) Hilfe signalisiert, sodass durchaus Chancen bestehen, die Staatspleite abzuwenden.

Für die weitere Börsenentwicklung sind folgende Faktoren maßgeblich:

Die anhaltende Beruhigung der Euro-Staatsschuldenkrise stützt die Aktienmärkte tendenziell. Das heißt allerdings nicht, dass die Krise ausgestanden ist. Beispielsweise könnte die Wahl zum europäischen Parlament im Mai die Krise wieder aufflammen lassen, insbesondere wenn Euro-feindliche Parteien hohe Stimmenzuwächse erzielen.

Noch sprechen die Indikatoren dafür, dass sich die globale Konjunkturerholung fortsetzt. Bleibt diese intakt, werden auch die Unternehmensgewinne steigen und die teilweise kräftig gestiegenen Bewertungen untermauern.

Zwar fährt die Fed ihre monatlichen Anleihenkäufe aller Voraussicht nach weiter zurück. Dennoch bleibt ihre Geldpolitik weiterhin sehr locker. Der Kurs der EZB dürfte demnächst sogar noch expansiver werden, so dass von der Geldpolitik insgesamt weiterhin positive Impulse auf die Aktienmärkte ausgehen.

Die Dividendenrenditen sind im Vergleich zu den Renditen von Staats- und bonitätsmäßig guten Unternehmensanleihen noch immer attraktiv. Das spricht für die Anlageklasse Aktien.

Negativ für Aktien ist, dass die Bewertungen im Zuge der Hausse stark gestiegen sind. Es wäre jedoch übertrieben, derzeit von einer Überhitzung des Markts zu sprechen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die derzeitigen Rahmenbedingungen für den Aktienmarkt noch positiv sind, das Aufwärtspotenzial bei den inzwischen erreichten Kursniveaus aber begrenzt sein dürfte.

Ludwig Heinz, Autor in München, schreibt die OC-Finanzkolumne “Moneytalk” jeden Dienstag.

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