Kolumne: Mein Held der Woche

Ganz schön dreist, Wladimir Putin

Russlands Präsident vermittelt in der Ukraine. Das klingt gut, und auch die EU findet das prima. Nur leider wird übersehen, dass hier der Brandstifter Feuerwehrmann spielt

Ist schon ein harter Kerl, dieser Wladimir Putin. Haben wir immer schon gewusst, zumindest seit er sich mit freiem Muskeloberkörper beim Fischen hat ablichten lassen oder beim Judo, als er die Gegner auf die Matte knallte. Auch damals sein Einmarsch in Georgien war eine Nummer. Ist eben ein ganz harter, der Wladimir Putin.

Er ist sogar noch härter. Jetzt hat er sich sogar in die Höhle des Löwen gewagt, auf den Maidan im Herzen Kiews. Dort, wo das Regime des ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch auf Demonstranten schießen lässt und ein Blutbad anrichtete. Nun gut, der harte Mann aus dem Kreml ist nicht selber gekommen, sondern hat seinen Menschenrechtsbeauftragten geschickt. Aber allein das ist schon eine harte Nummer.

Martin Schulz aus Würselen bei Aachen bei Holland findet, dass dies eine ganz tolle Idee ist. Der Mann müsste es eigentlich wissen, denn er ist Präsident des Europaparlaments und macht in seinem Amt gerade kräftig Wahlkampf, weil er EU-Kommissionspräsident werden will. Putin habe Einfluss auf den Ukrainer Janukowitsch, sagt Schulz, und deshalb solle er mit vermitteln. Zusammen mit den Außenministern Polens, Frankreichs und Deutschlands, die inmitten des Chaos versuchen, eine friedliche Lösung zu finden.

Klingt ja wirklich prima. Nur übersieht der Mann aus Würselen bei Aachen bei Holland eine Kleinigkeit. Warum ist es denn zu den Protesten in der Ukraine gekommen, die nun völlig aus dem Ruder gelaufen sind? Weil Janukowitsch ein über Jahre mit der EU ausgehandeltes Annäherungsabkommen in letzter Minute doch nicht unterschrieben hat. Und warum hat er es nicht unterschrieben? Weil der Russe Putin den Ukrainer Janukowitsch gedrängt hat, es nicht zu machen. Mit anderen Worten: Putin vermittelt nun in einem Konflikt, den er selber maßgeblich ausgelöst hat. Das ist eine ganz harte Nummer.

Vor allem die ukrainischen Demonstranten, die von Janukowitschs Scharfschützen zusammengeschossen werden, dürften begeistert sein über Putins Engagement. Schließlich hat der Kreml-Mann sie als „Extremisten“ beschimpft, die den „Staatsstreich“ versuchten. Solch nüchterne Analysen sind selbstverständlich eine gute Voraussetzung, um in die Diplomatie einzusteigen. Das steigert die Erfolgsaussichten ungemein.

Putins Chuzpe ist beeindruckend. Erst spielt er den Brandstifter, um anschließend den Feuerwehrmann zu geben. Soviel Dreistigkeit gibt es selten.

Andreas Theyssen, Autor in Berlin, schreibt die OC-Kolumne „Mein Held der Woche“ jeden Freitag.

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