Ukraine

Putin versteht nur das Wort Stärke

EU und Nato müssen mit Russlands Präsident in der Sprache sprechen, die er versteht. Und dürfen die Krim keinesfalls verloren geben

Ist das nicht gefährlich? Gerade in dieser aufgeheizten Stimmung? Kann das Russlands Präsident Wladimir Putin nicht als Provokation auffassen?

Deutschland wird im Osten des Nato-Gebietes aktiv, schickt sechs Eurofighter ins Baltikum und ein Führungsschiff in die Ostsee. Und deshalb werden diese Fragen gestellt. Man kann sie stellen, aber nur, wenn man sich mit der Person Putin noch nicht näher befasst hat.

Putin ist nicht verwurzelt in einer Welt, in der es um Ausgleich und Kompromisse gibt. Putin kennt nur das Prinzip Stärke. Das demonstriert er mit den vielen Fotos, die er von sich veröffentlichen lässt, die ihn beim Judo, in Uniform oder mit freiem Oberkörper zeigen. Das hat er vor allem aber politisch demonstriert, als er in Georgien einmarschierte und später die Krim annektierte. Russlands Präsident hat zigmal gezeigt, dass für ihn nur ein Prinzip zählt: das Recht des Stärkeren.

Wer so tickt, dem kann man nur auf die gleiche Weise entgegen treten – weil er keine andere Sprache versteht. Es ist richtig, mit ihm zu reden wie Barack Obama und Angela Merkel es tun. Genauso wichtig ist es aber auch, ihm Grenzen aufzuzeigen. Die Entsendung von zusätzlichen Truppen an die Ostgrenze der Nato ist also keine Provokation, sondern genau solch ein Signal.

EU und Nato sollten endlich zu dem Punkt gelangen, wo sie weiter in dieser Putin verständlichen Sprache sprechen. Zum Beispiel in puncto Krim. Es ist ein unfassbarer Skandal, dass sie die ukrainische Halbinsel, die sich Russland einverleibt hat, aufgegeben haben. Denn diese völkerrechtswidrige Aktion darf auf keinen Fall hingenommen werden.

Und deshalb sollte die Nato ein klares Signal an Putin senden. Kommt die Krim nicht zurück unter Kiews Hoheit, dann wird die Ukraine in die Nato aufgenommen – genauso wie die Republik Moldau, die ebenfalls von Putin bedroht ist, und Georgien. Solch ein Signal mag man als Erpressung bezeichnen, aber leider ist dies die einzige Sprache, die Putin versteht. Aber sprechen muss man sie.

Andreas Theyssen, Autor in Berlin, hat als langjähriger Politikchef der „Financial Times Deutschland“ Putins Agieren fasziniert beobachtet. Und teilt Angela Merkels Einschätzung, dass Russlands Präsident „in einer anderen Welt lebt“.

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