Kolumne: Ach Berlin

Wowereit forever!

Klaus Wowereit ist der neue Kohl. Nur: A bisserl cooler ist er schon. Und so lange die Menschen so blöd sind, sich alles gefallen zu lassen, macht er eben weiter. Wer will es ihm verdenken?

Vielleicht gibt ihm der Kiehlsteg ja den Rest, jenes Brückchen, das sie in Berlin-Neukölln trotz 1200 Unterschriften abgerissen haben, weil es marode war und 20 Meter ohnehin eine weitere Brücke über den Landwehrkanal führt. Oder die Bona-Peiser-Stadtteilbibliothek in Kreuzberg, die geschlossen werden soll, auch dagegen wurden 1400 Unterschriften gesammelt. In beiden Fällen war viel zu hören von Demokratie, von einem Berliner Senat, der doch auf die Bedürfnisse der Menschen Rücksicht nehmen muss.

Wahrscheinlich überlebt Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit auch den Kiehlsteg und die Bona-Peiser-Bibilithek, so wie er den BER-Nichtflughafen und die Deckung seines Steuersünderkumpels André Schmitz überlebt hat. Auch das angestrebte Volksbegehren gegen ihn dürfte schwierig werden: In der ersten Stufe brauchen die Initiatoren 50.000 Unterschriften, ein Volksbegehren erfordert dann mindestens 20 Prozent der Wahlberechtigen, also etwa 500.000 Stimmen, damit es zum Volksentscheid über die Neuwahl des Abgeordnetenhauses kommen kann.

Wowereit kann also eine ruhige Kugel schieben und das macht er ganz offensichtlich auch. Er ist der neue Kohl, noch drei Jahre, dann hat er auch die magischen 16 Jahren voll. Die selbstgerechte, bräsige Art hat er schon jetzt drauf. Gut, vielleicht ist er etwas lässiger als Kohl und vielleicht reicht das heutzutage auch. Warum eigentlich auch nicht? Große Taten erwartet von ihm ohnehin keiner mehr. Als letztes Lebenszeichen ließ er vermelden, dass er an dem Bau einer Zentralen Landesbibiliothek auf dem Tempelhofer Feld festhalte – auch wenn die Kosten die geplanten 220 Millionen Euro wohl deutlich übersteigen werden. Und auch wenn Wowereit ohnehin niemand mehr zutraut, dass er im Ernst irgendetwas ordentlich fertig bauen kann.

Während Berlin langsam erwachsen wird, teurer, etwas schicker, weltläufiger, während sich die deutsche Weltstadt ihre dauernde Pubertät wohl oder übel abtrainiert, ist Wowereit im 13. Amtsjahr ein kleines Kind geblieben. Alleine: Wer will es ihm verdenken? Der Mann wurde gewählt, jedem steht es frei, auch zu kandidieren. Und so bleibt am Ende eben die Erkenntnis, dass jedes Volk die Regierung bekommt, die es verdient – und letztlich auch die Bibliotheken, die Stege und die Flughäfen. Ein Nachfolger ist jedenfalls nicht in Sicht. In Kohls Fußstapfen trat irgendwann Angela Merkel, die Kohl aufgebaut hatte. Den Fehler macht Wowereit nicht. Blöd er ist ja nicht. Vielleicht nur etwas faul. Aber wer wäre das nicht gerne?

Stefan Tillmann, Mitgründer des Opinion Clubs, hat auch noch nicht die Zeit gefunden, das Volksbegehren zu unterschreiben. Das Video über die Proteste gegen den Abbau des Kiehlstegs schaute er dagegen schon zwei Mal.

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