Zukunft der Journalismus

Darum Krautreporter

Die Krautreporter-Idee ist gar nicht so revolutionär wie OC-Kollege Andreas Theyssen und manch andere Medienvertreter glauben. Ein neues reines Online-Magazin ist nur eine logische Konsequenz. Das Internet könnte den Journalismus bekommen, den es verdient. Gegenrede eines Krautreporters

VWL-Studenten lernen schon im Grundstudium: Echte Innovation entsteht erst durch Neugründung, zumindest in wenig kapitalintensiven Branchen. Microsoft, Ebay, Google, Facebook, Amazon waren allesamt Startups. Dabei hätte man meinen können, dass Neckermann, Quelle oder Otto durchaus die Idee für ein Online-Versandhaus wie Amazon hätten haben können, die Produkte und Kundendaten hatten sie ja schon.

Im Journalismus vollzieht sich der Wandel wesentlich langsamer. Dass so viele Journalisten das Gegenteil behaupten, nämlich dass ihre Branche durchs Internet besonders betroffen sei, liegt vor allem daran, dass die meisten Journalisten keine Ahnung von Wirtschaft haben. Sicher ist: Der allergrößte Teil der Medieninhalte wird immer noch auf Basis des alten Print-Geschäftsmodells produziert. Viele Internetableger haben keine eigenen Budgets, die Texte werden einfach online gestellt, aufgehübscht mit einer Bilderstrecke, die Klicks generiert. Und während das Print-Geschäftsmodell immer weniger funktioniert und die Klicks immer noch nicht genug Geld einbringen, bleiben Investitionen vorsichtig. Logisch.

Logisch also auch, dass nur ein Startup die Logik umgekehrt. Ein Online-Magazin, bei dem alle Geschichten von grundauf multimedial gedacht sind und das bei der Finanzierung das alte Print-Modell übernimmt: Der Leser zahlt für Inhalte. Krautreporter sammelt gerade einen Monat lang 900.000 Euro bei potenziellen Lesern. Inzwischen präsentieren die Krautreporter in einem Blog, welche Geschichte sie gerne im neuen Magazin erzählen wollen: http://blog.krautreporter.de. Sicher ist, dass das Internet technisch einzigartige Möglichkeiten bietet, um originelle und relevante Geschichten in Bild und Ton anders zu erzählen. Das Recherche-Team von Follow The Money (mit den OC-Autoren Christian Salewski und Marcus Pfeil) macht das vor, finanziert von Krautreporter: http://followthemoney.de.

Dass laut Kollegen Theyssen angeblich niemand aus dem Krautreporter-Team einen direkten Draht ins Kanzleramt besitzt und nachzeichen kann, was Sigmar Gabriel und Angela Merkel wirklich besprochen haben, ist dabei egal. Zum einen kann man Kontakte neu aufbauen. Vor allem aber will Krautreporter bewusst nicht beim altbackenen News-Rennen um die exklusivsten O-Töne mitmachen. Die Denke, das Zitat, das man an die Agentur geben kann, sei wichtiger als die kluge Analyse, hat den Journalismus schließlich in die Krise gebracht. Das war nicht das Internet.

Stefan Tillmann, Mitgründer des Opinion Clubs, ist froh Teil des Krautreporter-Teams zu sein. Alleine um zu zeigen, dass die Branche nicht nur aus Berufsdefätisten besteht.

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