Kolumne: Mein Held der Woche

Sie sind aufgefallen, Philipp Mißfelder

Der CDU-Politiker verwirrt die Großkoalitionäre, weil er inmitten der Ukraine-Krise Altkanzler Gerhard Schröder zu Russlands Präsident Wladimir Putin begleitet. Na und? Der Mann ist sich einfach treu geblieben

Lassen Sie die Leute doch lästern. Die eigenen Parteifreunde. Die Sozialdemokraten. Die Opposition. Die Medien. Sie haben alles richtig gemacht, Philipp Mißfelder. Lassen Sie sich also nicht aus dem Konzept bringen.

Okay, mitten in der Ukraine-Krise zusammen mit dem notorischen Putin-Freund und Russen-Gas-Vertreter Gerhard Schröder nach Sankt Petersburg zu reisen und sich dort von Russlands Präsident, dem Krim-Schlucker, bewirten zu lassen, ist jetzt nicht die ganz feine diplomatische Art. Den eigenen Unionsfraktionschef, der verbal munter auf Schröder eindrosch, nicht über die Reise zu informieren, war zumindest unter parteipolitischen Aspekten ein klein bisschen unklug. Aber was soll’s? Andere Dinge sind viel entscheidender.

Sankt Petersburg ist eine wunderschöne Stadt. Die hellen Nächte, die zaristische Altstadt, die aufgerüschten Russinnen auf dem Newskij-Prospekt – da lässt man sich doch nicht lange bitten, wenn man das für lau mitnehmen kann. Außerdem gibt es immer etwas Leckeres zu essen, wenn Wladimir Putin zu Tisch bittet. Will man da widerstehen?

Und sehen wir es einmal ganz nüchtern: Wer ist im Moment auf der Gewinnerstraße? Barack Obama? Hihi. Angela Merkel? Glucks. Die EU? Prust! Nein, es ist eindeutig Wladimir Putin. Er hat die Krim geschluckt, der Westen hat dreimal trocken geschluckt und dann beschlossen, dass er nichts dagegen tun kann. Putin filetiert gerade die Ukraine, sorgt dafür, dass auch der Osten des Landes unter seine Fittiche kommt; der Westen antwortet mit ein paar Sanktiönchen. Der Mann hat’s einfach drauf. Und den Gesprächsfaden zu Siegern sollte man nie abreißen lassen. Nicht wahr, Herr Mißfelder?

Aber der wichtigste Grund, weshalb Sie unbedingt zu Putin mussten, ist ein ganz anderer. Sie wollten sich einfach treu bleiben, Herr Mißfelder. Dereinst gedachten Sie das deutsche Gesundheitssystem dadurch zu sanieren, dass die Krankenkassen über 80-Jährigen keine teuren Hüft-OPs mehr bezahlen sollten. Haben Sie gefordert und sich damit erstmals in die Schlagzeilen katapultiert. Später stichelten Sie als Chef der Jungen Union öffentlich gegen die eigene Parteichefin. Auch das sorgte für Schlagzeilen.

Und nun die Fress-Reise zu Putin, in Zeiten, in denen alle Welt den Oberrussen bäh findet. Das sorgt aber ganz selbstverständlich für Aufmerksamkeit. Den Namen Mißfelder (CDU-Präsidiumsmitglied, Schatzmeister der NRW-CDU, Mitglied des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages) wird man so schnell nicht vergessen. Genau das wollten Sie doch. Also: Wir gehalten Sie im Auge, Philipp Mißfelder.

Andreas Theyssen, Autor in Berlin, schreibt die OC-Kolumne „Mein Held der Woche“ jeden Freitag.

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