Kolumne: Mein Held der Woche

Geil gekickt, Heiko Maas

Der Bundesjustizminister ist in Bedrängnis geraten, weil er beim Fußballspielen reichlich Steuergelder verbraten hat. Die Kritik ist unberechtigt: Der Mann war schließlich gemeinnützig unterwegs

Sehen Sie es uns bitte nach, lieber Herr Maas. Aber kürzlich – also vor einem halben Jahr – gab es einen Regierungswechsel. Und da kann man nicht erwarten, dass die Deutschen schon jeden Minister kennen, der sie regiert.

Also stellen wir Sie erst einmal vor: Sie, Heiko Maas, sind Bundesjustizminister im Kabinett Merkel, waren zuvor SPD-Fraktionschef im saarländischen Landtag. Und dass Sie noch nicht so bekannt sind, liegt sicherlich daran, dass sich Leute wie Sigmar Gabriel, Thomas de Maiziere oder Ursula von der Leyen so penetrant in den Vordergrund schieben.

Jetzt aber haben Sie die Chance, endlich bekannter zu werden. Und das verdanken Sie ausgerechnet ein paar Leuten, die man in der Regel nicht so mag: den Erbsenzählern.

Der saarländische Rechnungshof hat nämlich festgestellt, dass ihre frühere Fraktion in Saarbrücken in den Jahren 2004 bis 2009 ein wenig locker mit Steuergeldern umgegangen ist. So wurden für das fraktionseigene Fußballteam mit dem superoriginellen Namen „Die Roten Hosen“ insgesamt 80.000 Euro ausgegeben; allein die jährlichen Fahrten zu einem Altherren-Turnier im Schwarzwald, der nicht mehr so ganz zum Saarland gehört, schlugen mit insgesamt 46.000 Euro zu Buche. Die Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt gegen drei ehemalig Mitarbeiter eben jener SPD-Fraktion, der Sie, Herr Maas, damals vorstanden.

Der deutsche Kleingeist wird Ihnen nun vorhalten, dass Sie eine Menge Steuergelder für Aktivitäten verbraten haben, die so rein gar nichts mit Politik zu tun haben. Wir machen das nicht, wir sind aufgeschlossener.

Wir sehen nämlich – wie Sie sicherlich auch – das große Ganze. Sport, speziell Fußball, ist eine hochpolitische Angelegenheit. Wenn Abgeordnete nicht fett und vollgefressen im Parlament lümmeln, sondern sich bei Fußballspielen sportlich betätigen, dann hat das Vorbildfunktion. Ihre Wähler werden ihnen nacheifern, dadurch fitter, weniger krank und entlasten dadurch das deutsche Gesundheitswesen. Auch aus volkswirtschaftlicher Sicht haben die kickenden Saar-Sozen somit vorbildlich gehandelt.

Die Erbsenzähler von Rechnungshof und Staatsanwaltschaft sind selbstverständlich zu kleinkariert, um diese großen Zusammenhänge zu erkennen. Doch es besteht Hoffnung, dass sie es noch begreifen. Nämlich am späten Abend des 13. Juli, wenn sich ganz Deutschland in den Armen liegt, weil Lahm, Müller & Co. Fußballweltmeister geworden sind. Die Trophäe konnten sie selbstverständlich nur holen, weil sie von Jogi Löw trainiert werden. Und der lebt – genau! – im Schwarzwald, in eben jener abgeschiedenen deutschen Region, in der die Saar-Sozen um Heiko Maas dereinst fußballerische Entwicklungshilfe geleistet haben.

Also: Danke, Herr Maas! Danke, dass sie unsere Steuergelder so klug eingesetzt und uns zu Weltmeistern gemacht haben!

Andreas Theyssen, Autor in Berlin, schreibt die OC-Kolumne „Mein Held der Woche“ jeden Freitag.

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