Gaza-Krieg

Der Kampf der Kulturen

Der Gaza-Konflikt droht auch in Deutschland das Klima zu vergiften. Auf Judenfeindlichkeit folgt Islamhass. Dabei sollte die Stärke des Rechtstaates darin bestehen, diesen Kulturkonflikt juristisch zu bewerten

Die israel- und judenfeindlichen Demonstrationen vieler Muslime in Deutschland haben vielen Rechten einen Gefallen getan. Nun können sie guten Gewissens über Muslime schimpfen, Nicolaus Fest hat dies auf selten eindimensionale Weise gerade in der „Bild“-Zeitung getan. Dabei sollten deutsche Kommentatoren bei diesem zutiefst religiösen Konflikt vor allem die Maßstäbe des Rechtsstaates nehmen. Schließlich trifft in Gaza und Israel beide Seiten eine Verantwortung: beide Kriegsparteien, aber nicht beide Weltreligionen.

Wer einmal in Jerusalem an der Klagemauer stand, wird sich kaum anmaßen, eine Lösung für diesen uralten Konflikt parat zu haben – oder gar ein Urteil zu fällen. Aus deutscher Perspektive ist man bestens beraten, den Konflikt nicht kulturalistisch zu betrachten. Für die judenfeindlichen Äußerungen und Taten in Deutschland gibt es ein Grundgesetz und ein Strafgesetzbuch, Regeln, die im Krieg kaum noch gelten. Wer hierzulande daraus einen pauschalen Kulturkonflikt macht, begeht einen großen Fehler – die Kommentatoren der „Bild“-Zeitung genau so wie die judenfeindlichen Demonstranten.

Richtig ist aber auch: Zur deutschen Rechtsordnung gehört eine besondere Sensibilität gegenüber der jüdischen Kultur und Geschichte. Judenhasser – ob Muslime oder Nazis – sollten sich lieber ein anderes Land suchen. Wer aber deswegen zum Islamhasser wird, macht sich ebenfalls verantwortlich: weil er den Hass pauschal auf eine andere Bevölkerungsgruppe schürt. Das alles sind mehr als nur Spielregeln für die nächste Facebook-Debatte. Schließlich machen gerade im Irak die „Islamischer Staat“-Milizen Jagd auf Andersgläubige. Mit dabei: Dutzende in Deutschland aufgewachsene Muslime, zum Teil deutsche Staatsbürger. Und wenn diese Jagd auf Menschen machen, kann Deutschland nicht mehr lange in der Beobachterrolle bleiben.

Stefan Tillmann, Mitgründer des Opinion Clubs, fühlte sich beim Besuch in Israel in Tel Aviv deutlich wohler als in Ramallah

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