Kolumne: Mein Held der Woche

Gut verkauft, Francois Hollande

Nach dem Abschuss von MH17 diskutieren EU und USA über weitere Sanktionen gegen Russland. Nur Frankreich will weiter Waffen an Moskau liefern. Und das ist auch gut so

Und jetzt zicken sie wieder rum. Wollen Wirtschaftssanktionen, Finanzsanktionen, wollen Wladimir Putin zeigen, dass er so nicht weitermachen kann. Die Amis und die übrigen Europäer wollen nun sogar, dass Paris zwei Hubschrauberträger nicht an Russland ausliefert. Und das alles wegen eines malaysischen (sic!) Flugzeuges.

Mon Dieu, in der Ostukraine fallen jeden Tag Flugzeuge vom Himmel. Das ist eben so, wenn Krieg ist. Jetzt war halt mal ein falsches dabei. Wo gehobelt wird, da fallen nun mal Späne.

Außerdem: Was hat ein malaysisches Passagierflugzeug mit französischen Hubschrauberträgern zu tun? Nichts, rein gar nichts. Kann man mit Hubschraubern Passagierjets vom Himmel holen? Non! Insofern ist es völlig logisch, Francois Hollande, dass Sie weiterhin zwei Hubschrauberträger des Typs „Mistral“ an Russland liefern wollen.

Es gibt nicht mal eine moralische Verpflichtung, den Rüstungsdeal zu stoppen. Franzosen waren schließlich nicht an Bord von MH17.

Außerdem ist es Ihre Pflicht als französischer Präsident, Schaden vom französischen Volk abzuwenden. 1,2 Milliarden Euro ist der Waffendeal wert, und auf diese Geld kann Frankreich nun einmal nicht verzichten. Die Deutschen können es sich vielleicht leisten, die Lieferung eines Gefechtsübungszentrums an Russland zu stoppen. Nicht aber Frankreich. Die Konjunktur, die Staatsverschuldung! Man denke nur an die ganzen Arbeitsplätze, die auf dem Spiel stehen! Das alles kann man wegen irgendeiner hinterindischen Boeing nun wirklich nicht aufs Spiel setzen.

Insofern, Francois Hollande: Liefern Sie ruhig ihre beiden Träger an Putin. Und legen Sie noch ein paar Raketen obendrauf, quasi als Geschenk. Denn kleine Geschenke erhalten bekanntermaßen das Geschäftsklima.

Andreas Theyssen, Autor in Berlin, schreibt die OC-Kolumne „Mein Held der Woche“ jeden Freitag.

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