Kolumne: Auf einen Klick

Was von der Huffington Post übrig blieb

Die Huffington Post trat bei ihrem Start vor neun Monaten in Deutschland an, die deutschen Online-Medien herauszufordern. Doch stattdessen gab es – Cherno Jobatey

Cherno Jobatey ist bestimmt ein ganz netter Kerl, ein kluger Kopf und ein fähiger Journalist. Und womöglich kennt er sich sogar mit dem Internet aus. Allein: Öffentlich ist davon nicht viel zu merken. Bei anderen Menschen mag das verzeihbar sein. Aber Jobatey ist nicht nur ein Ex-Moderator des ZDF-Morgenmagazins, sondern das Vorzeigegesicht und der Herausgeber der deutschen Huffington Post. Eine Plattform, die mal als die größte Herausforderung für den deutschen Online-Journalismus gefürchtet wurde. Bis sie an den Start ging, vor neun Monaten. Mit Cherno Jobatey.

Ein Herausgeber setzt häufig die Leitlinien eines Medium, er achtet darauf, dass ein bestimmter Ton, eine bestimmte Qualität beachtet werden. Und er bringt das Medium in die Öffentlichkeit, um das Medium dort zu repräsentieren.

Wie das bei Jobatey aussieht, sieht man auf Huffington Post (HuPo) – und fast nur da: Seit kurzem hat er dort eine Web-Talkshow namens „UdLDigital“, das UdL steht für „Unter den Linden“ und das „Digital“ für „naja, das ist gerade sehr modern“. Modern heißt dann für Jobatey, dort Interviews zu führen mit Ursula von der Leyen, Peer Steinbrück, Volker Kauder. In der jüngsten Folge befragt er den CDU-Generalsekretär Peter Tauber: „Es ist noch gar nicht so lange her, da fand jeder das Internet super, aber irgendwann kippte das … Da kamen die Bedenkenträger und sagten ‚Ich weiß nicht, ich weiß nicht.'“

Und als Peter Tauber irgendwas antwortet und dabei das Wort „Holzpresse“ einbaut – ein Wortgag, der fünf mal so alt ist wie die HuPo – da kichert Jobatey wie eine Soziologiestudentin im ersten Semester, wenn der Professor über Popper spricht.

Natürlich macht er noch viel mehr: Auf seiner Internetseite www.jobateyjournal.de etwa listet er akribisch die Kommentare der Tageszeitungen auf, als Hilfe zur Meinungsbildung für „Jüngere“, wie er selbst dort schreibt.

Wie der Konsum von FAZ-, NZZ- und SZ-Kommentaren sich auf seine Arbeit auswirkt, lässt sich in der HuPo sehen: Die wichtigsten Artikel dort sind „Hemmungslos: Diese Fotos aus dem Nachtleben werden Sie so schnell nicht vergessen“, „So oft haben Ehepaare WIRKLICH Sex“ oder auch “ Sie kennen den Politiker John Dingell nicht? Dann haben Sie was verpasst!“ über einen amerikanischen Politiker, der „coole Tweets“ verfasst.

Wenn Jobatey extra eine eigene Seite für die wichtigsten Kommentare des Tages auflegen musste, sagt das viel über die HuPo aus.

Dafür kann Jobatey nichts. Zumindest nicht allein. Der wahre Herausgeber, weil Geldgeber, ist schließlich Hubert Burda, der hoffte ein neues Spiegel Online mit dem Budget eines Anzeigenblättchens hinzubekommen. Was daraus wurde, kann jeder in den Pressemitteilungen der HuPo nachlesen. Im Februar feierte die Huffington Post ihren Aufstieg im AGOF-Ranking: Demnach stand sie auf Platz 23 bei den „Unique Usern“. Damit lag sie knapp hinter dem Internetauftritt des Kölner Boulevardblattes „Express“. Herzlichen Glückwunsch.

Falk Heunemann, Autor in Berlin, schreibt die OC-Medienkolumne „Auf einen Klick“ jeden Donnerstag.

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