Kolumne: Auf einen Klick

Die ARD ist der Erich Ribbeck des Fernsehens

Das deutsche Fernsehen ist allenfalls auf Regionalliga-Niveau. Um endlich aufzusteigen, sollten Öffentlich-Rechtliche wie Private von Jogi Löw und den Weltmeistern lernen

Die Macher beim WDR scheinen irgendetwas falsch verstanden zu haben: Nachdem ihnen Zuschauer, Kritiker und noch mehr Kritiker jahrelang in den Ohren gelegen haben, sich doch endlich mal am amerikanischen Qualitätsfernsehen zu orientieren, scheinen sie sich gedacht zu haben, na gut, machen wir das mal. Und als Vorbild haben sie sich offenbar die Hitserie „24“ genommen. Im Original jagt ein Ermittler innerhalb von 24 Stunden irgendwelche Terroristen, jede Woche wurde eine Stunde davon gezeigt.

Nun macht der WDR das als Quiz. Ein 24-Stunden-Quiz, von dem jede Woche eines gezeigt wird.

Wir haben offenbar nicht genügend Showformate – neben ZDF-Quizchampion, Grill-Show, Das fantastische Quiz des Menschen, Das ist Spitze, Die große Wissensshow, Einer wird gewinnen, Kopfball, Quizduell, Hessenquiz, Wer weiß es?, Straßenstars, NDR-Quizshow, Dings vom Dach, Das Quickie Quiz und einige andere mehr.

Nun gut, der WDR hätte das 24-Format auch als Krimi adaptieren können. Oder als Kochshow. Das hat er nicht, immerhin.

Dabei müssten die Macher sich nur mal an ihrer eigenen Fußball-Berichterstattung ein Vorbild nehmen. Nicht als Format, das wirklich nicht, sondern inhaltlich. Denn dass deutsche Mannschaften Weltmeister und zuletzt auch noch U19-Europameister wurden, haben die Fernsehleute eigentlich immer ganz gut und richtig erklärt: Weltklasse sind wir nur deshalb wieder, weil wir nach der tiefen Krise auf eine breite Jugendarbeit gesetzt haben statt auf alte Rezepte und Einzelstars.

Genau das haben die Amerikaner nämlich im Fernsehen gemacht: Dort gaben vor rund 15 Jahren die ersten Verantwortlichen dem Nachwuchs eine Chance, Serien und Fernsehformate zu entwickeln, weil Sport und Shows nicht mehr zogen. So entstanden zunächst erstaunliche Serien wie The Wire, Sopranos, 24, Twin Peaks oder West Wing, später Mad Men, Two Detectives, Master of Sex oder auch Welterfolge wie Friends, Big Bang Theory und How I met Your Mother.

Aber diesem Modell trauen die deutschen Fernsehmacher nicht. In den Hauptprogrammen spulen sie Rentner-Ware und Shows ab, am laufenden Band. Fragt man sie nach Neuerungen und Experimenten, verweisen sie auf die Digitalspartenprogramme wie EinsPlus, ZDF Neo oder Arte. Denen es aber an Geld, Sendezeit und Aufmerksamkeit mangelt – selbst Erfolge wie Mad Men wurden da weggesendet. Vielmehr müssten die Experimente ins Hauptprogramm,wenn Macher und Zuschauer sie ernst nehmen sollen. Nur dort erhalten sie die nötige Aufmerksamkeit, von Machern und Zuschauern. Und wenn es mal nicht klappt, muss man eine Sendung auch nicht sofort absetzen, sondern kann auch mal länger an ihr Potenzial glauben, so wie Weltmeistertrainer Joachim Löw es vorgemacht hat.

Das Vorbild der Öffentlich-Rechtlichen heißt offenbar Erich Ribbeck, der DFB-Trainer von 2000: Einfach auf alte Stars und alte Formate vertrauen, hat ja früher auch immer funktioniert. Und wenn es nicht klappt, dann weiter daran festhalten. Und die Privaten kopieren die Premier League: Sie kaufen einfach Erfolg aus dem Ausland ein, das spart die Eigenentwicklung.

Wie weit Ribbeck und die Engländer international mithalten konnten, haben wir gesehen.

Falk Heunemann, Autor in Berlin, schreibt die OC-Medienkolumne „Auf einen Klick“ jeden Donnerstag.

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