Kolumne: Mein Held der Woche

Sehr geschäftstüchtig, Christine Haderthauer

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Horst Seehofers Staatskanzleichefin. Das ist gemein. Schließlich hat Christine Haderthauer das wirtschaftspolitische Profil der CSU ungemein geschärft und sich für höhere Weihen qualifiziert

Zugegeben, so richtig glücklich haben Sie nicht immer agiert, Frau Haderthauer. Dass Sie die Pressestelle der Staatskanzlei einschalteten, um bei Journalisten anrufen zu lassen, die über Ihre Privatangelegenheit berichteten – unschön. Dass Sie Ihren Ehemann nicht bremsten, als der Journalisten, die über Ihren Fall berichten, juristische Schritte androhte – nicht so gut. Und dass Sie als Chefin der bayerischen Staatskanzlei im Amt bleiben, obwohl die Staatsanwaltschaft gerade ein Verfahren wegen des Verdachts des Betruges gegen Sie eingeleitet hat – da hat spätestens Christian Wulff Maßstäbe gesetzt.

Aber das sind selbstverständlich alles Petitessen. Entscheidend ist schließlich, dass Sie sich enorme Meriten verdient haben. Sie haben das wirtschaftspolitische Profil Ihrer Partei, der CSU, geschärft. Sie haben den bayerischen Strafvollzug reformiert. Und Sie haben bewiesen, dass verurteilte Straftäter durchaus noch einen sinnvollen Beitrag zur Gesellschaft leisten können.

Gemeinsam mit Ihrem Mann haben Sie vor Jahren eine Firma gegründet, die hochwertige Modellautos verkaufte, die von psychisch kranken Straftätern gebaut wurden. Die Straftäter erhielten ein Taschengeld, die Autos gingen für Beträge von deutlich über 1000 Euro weg. Dass Ihr Gemahl der für die Straftäter zuständige Amtsarzt war, erwies sich dabei als überaus praktisch. Dass er – wie später bekannt wurde – vergessen hatte, eine Nebentätigkeitserlaubnis einzuholen – eine dieser lästigen Petitessen.

Das Geschäft muss recht gut gelaufen sein. Einem Geschäftspartner hatten Sie seinen Anteil für 20.000 Euro abgekauft. Das muss deutlich unter dem tatsächlichen Wert gelegen haben, schließlich würde es die bayerische Justiz ansonsten kaum wagen, gegen eine veritable bayerische Staatsministerin wegen Betruges zu ermitteln.

Sie haben jedenfalls bewiesen, dass Sie mit Geld umgehen können. Solch ein Talent braucht die CSU. Als Staatskanzleichefin dürften Sie dank des Ermittlungsverfahrens kaum noch zu halten sein; das wird auch Ihr Chef Horst Seehofer über kurz oder lang einsehen. Aber nach einer gewissen Karenzzeit – da sollten Sie in München Wirtschafts- und/oder Finanzministerin werden. Die CSU und ihr Freistaat brauchen eine Frau mit Ihren Fähigkeiten. Unbedingt.

Andreas Theyssen, Autor in Berlin, schreibt die OC-Kolumne „Mein Held der Woche“ jeden Freitag.

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