Kolumne: Mein Held der Woche

Volltreffer, Prinz zu Salm Salm

Der Bund der Historischen Deutschen Schützen tut sich schwer mit einem muslimischen Schützenkönig in seinen Reihen. Und das völlig zu Recht. Schließlich gilt es, einen historischen Fakt zu beachten

Sehen Sie es uns nach, wenn wir Sie erst einmal vorstellen müssen, verehrter Dr. Emanuel Prinz zu Salm Salm. Aber nicht jeder, vor allem nicht in diesen heidnischen preußischen Gefilden, ist vertraut mit dem Schützenwesen. Sie sind Hochmeister im Präsidium des Bundes der Historischen Deutschen Schützen und damit so eine Art oberster deutscher Schütze.

Und weil wir fürchten, selbst die Basics erklären zu müssen: Schützen, das sind jene (meist) Herren, die in Loden und mit Sepplhüten im Rudel über Dorfstraßen paradieren, mit Luftgewehren rumknallen, um sich anschließend auf Dorffesten selber zuzuknallen. Diesen Phänomen tritt gerne im Rheinland, in Bayern sowie in Norddeutschland auf.

Ihr Verein, verehrter Prinz, ist in diesen Tagen ein wenig in Verruf geraten. Es hatte sich nämlich ein schwarzes Schaf eingeschlichen und sich durch hinterlistig gutes Schießen auch noch den Titel eines Schützenkönigs erschlichen. Der Mann aus Werl hat eine katholische Frau, vier Kinder, was ihn per se als Katholiken ausweist, alle auch getauft – er selber aber hat sich Zeit seines Lebens den Segnungen des Katholizismus verweigert. Der Mann ist Muslim!!! Wie soll da auch ein aufrechter Sauerländer Schützenbruder drauf kommen.

Und was passiert? Regt sich jemand auf über diesen Mann, der sich wie der Taliban ins Isaf-Camp in einen aufrechten katholischen Schützenverein eingeschlichen hat? Nüschte. Im Gegenteil: Alle Welt, also diese Gutmenschen und mentalen Cem Özdemirs, fallen über Sie und Ihren Schützenbund her.

Und das nur, weil Sie dem Muselmann den Titel wieder aberkennen wollten. Ein deutscher Schützenkönig muss katholisch sein. Basta. So steht es in der Satzung, und die gilt. Wir sind schließlich in Deutschland. Punkt.

Dieser geballten Wucht der Gutmenschen und ihrer medialen Hilfstruppen kann auf Dauer auch der aufrechteste aller Schützenbrüder nicht widerstehen. Und so haben Sie dem Herren aus dem Morgenland den Titel doch lassen müssen. Allerdings mit einer Einschränkung, wie es in Ihrer Verbandsmitteilung heißt: „Die Ausübung eines Amtes ab Bezirksebene wird hingegen nicht möglich sein.“ Wäre ja noch schöner, wenn der Muselmann auch noch Hochmeister werde wollte. Das sind schließlich Sie schon, verehrter Prinz.

Und Sie konnten sich in Ihrer Mitteilung zur Causa Muslim-Schützenkönig einen kleinen Seitenhieb gegen all diese Gutmenschen nicht verkneifen. „Es scheint so, als wollten diese Stimmen Zwangsharmonisierung und geistige Gleichschaltung in Deutschland erzwingen“, heißt es da.

Jawoll! So isses. Und es wurde wahrlich Zeit, dass diese ganze Angelegenheit wieder vom Kopf auf die Füße gestellt wird. Schießen, also das mutwillige Befördern lebender Menschen ins Fegefeuer, ist eine urchristliche Angelegenheit. Das weiß man schließlich schon seit den Kreuzzügen. Und damals waren die Christen die Schützen und die Sarazenen die Ziele – und nicht Schützenkönige.

Dass Sie, verehrter Prinz, uns dies durch Ihre klare Sprache wieder vor Augen führen, das ist wahrhaft ein Volltreffer.

Andreas Theyssen, Autor in Berlin, ist seit Jugendtagen mit dem deutschen Schützenwesen vertraut. Als 18-jähriger Mitarbeiter einer rheinischen Lokalzeitung mühte er sich redlich, über Schützenfeste 60-Zeilen-Artikel  zu verfassen. Manchmal gelang es ihm.

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