Kolumne: Mein Held der Woche

Im Auftrag Ihrer Souveränität, Sean Connery

Der schottische James Bond hat zum ersten Mal in seiner Laufbahn eine Niederlage erlitten – gegen den Bösewicht Cameron. Nun darf er sich zur verdienten Ruhe setzen

Wie nimmt der schottische Separatist seine Volksabstimmung? Gewählt, aber nicht gewonnen. Und keine Olive dazu.

Tja, man lernt nie aus, Sean Connery. Und so durften Sie in Ihrer letzten Rolle in „007 jagt Dr. Cameron“ auch noch eine neue Martini-Rezeptur kennen lernen: die mit dem ganz bitterem Geschmack.

Ehrlich gesagt: Das haben Sie sich auch verdient. Sieben Mal waren Sie im Auftrag Ihrer Majestät unterwegs, haben die Feinde des Vereinigten Königreichs rund um den Globus gejagt. Und dann das: Sie wechselten die Seiten, wurden selber zum Gegner Londons. Waren plötzlich unterwegs im Auftrag Ihrer Souveränität, wollten die Briten dort treffen, wo sie am empfindlichsten sind. Indien haben sie schon verloren, Britisch-Malaya, die Kolonien in Afrika. Und nun sollten sie auch noch Schottland los werden, und damit auf die Größe von, sagen wir: Portugal schrumpfen. Nein, das ist nicht gut fürs britische Ego. Das ist perfide, den Albion an seiner empfindlichsten Stelle zu treffen.

„Es gibt keinen kreativeren Akt als eine neue Nation zu kreieren“, begründeten Sie Ihren Seitenwechsel. Dabei ignorierten Sie, dass solche Dinge im Zeitalter des europäischen Zusammenwachsens ein wenig aus der Mode gekommen sind. Schließlich gibt es in Europa keinen Mangel an Zwergstaaten wie Monaco, Montenegro oder Moldau.

In „007 jagt Dr. Cameron“ haben Sie es dem Bösewicht aus London lange Zeit verdammt schwer gemacht. Aber am Ende hatten Ihre Schotten dann doch mehr Verstand als Lust auf Abenteuer. Sie votierten gegen die Unabhängigkeit und machten Sie, den Agenten im Auftrag ihrer Souveränität, zur Triple-Null.

Sie sollten sich deshalb nicht grämen, Agent 000. Jede Serie geht einmal zu Ende, so ist der Lauf der Dinge. Setzen Sie sich mit Ihren 84 Jahren zur Ruhe – als Bürger des Vereinigten Königreichs.

Andreas Theyssen, Autor in Berlin, schreibt die OC-Kolumne „Mein Held der Woche“ jeden Freitag.

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