Kolumne: Auf einen Klick

5 Dinge, weshalb es gut ist, dass Buzzfeed nun da ist

Buzzfeed war lange der feuchte Traum deutscher Online-Journalisten. Nun startet der US-Ableger hierzulande. Das ist gut – was aber nicht an Buzzfeed selbst liegt

Veranstaltungsorte haben ja auch immer etwas symbolisches. Und insofern ist es gewiss kein Zufall, dass das deutsche Buzzfeed-Team sich am gestrigen Mittwochabend ausgerechnet im PeePee Katzencafe in Berlin-Neukölln vorstellte. Da steckt alles drin, was das Listen-Portal entweder sein will oder tatsächlich ist: Niedliche Katzenbilder, Pennälerhumor („Pee“=engl. für Pipi), der Stadtteil Neukölln, der nicht ganz so etabliert ist wie der Prenzlauer Berg und auch nicht pseudohipp wie Mitte oder Friedrichshain. Sondern Neukölln, wo man preiswert leben kann und die professionellen Journalisten und Medien nicht weit weg sind (in Kreuzberg).

Buzzfeed war in den vergangenen vier Jahren geradezu zum Buzzword für Jeden geworden, der Ahnung von Onlinemedien hatte oder vorgeben wollte. Das amerikanische Original war zum Klickwunder geworden. Mit Text! Das wollten deutsche Medien auch, trotz Schleichwerbung (Native Advertising) und schwieriger Finanzlage – es lebt derzeit vor allem von Risikokapital. Nicht nur Heftig.co kopierte die Art, wie Teaser geschrieben werden, mit Listen, Zahlen und emotional berührendem Cliffhanger.

Zwischenzeitlich stand wohl sogar mal im Raum, stern.de zu einer Art Buzzfeed umzubauen. Immerhin, dann hätten sie mal ein eigenes Konzept gehabt.

Nun also ist es auch in Deutschland gestartet. Und es enttäuscht nicht: Es gibt, wie im Original, eine Liste nach der anderen, etwa über „20 Dinge, die du nur machst, wenn du unter 25 bist.“, „10 Dinge, die Amerikaner an Deutschland verwirren“ oder auch „Bist du ein Westkind der 80er Jahre?“ Und sie werden alle sicher gut geklickt werden.

Das Schöne an Buzzfeed ist ja nicht nur, dass man genau das bekommt, was einem versprochen wurde: Nette, unterhaltsame, zeitlose Geschichten in Listenform. Buzzfeed versucht nicht, sich fälschlicherweise als modernen Journalismus zu verkaufen – wie die Huffington Post – oder überhaupt als Journalismus – wie Focus Online. Und es hat einen Stil geprägt, statt ihn zu kopieren.

Nun dürften auch endlich all die Buzzfeed-Buzzworder in Deutschland leiser werden, schließlich können sie nun die Inhalte auch auf deutsch lesen und verstehen. Und es dürfte ihnen schwerer fallen, Buzzfeed als ein journalistisches Medium, als Vorbild für „Stern“, „Augsburger Allgemeine“, n-tv oder wen auch immer zu verkaufen. Buzzfeed ist Werberporno – sie können sich damit erregen, wie Schleichwerbung alias Native Ads neue junge und zahlungskräftige Nutzerschichten erschließen könnten. Und mehr noch, neue Etats von Unternehmen, die das glauben.

Vor allem aber: Buzzfeed ist ein weiteres Indiz, dass sich auch in Deutschland endlich was Neues tut im Onlinemarkt, trotz des Erwartungsflops HuffingtonPost. Bei beiden hat es rund acht Jahre seit ihrer Gründung in den USA gedauert, bis sie auch in Deutschland starteten. Das Politjunkie-Portal Politico (gegr. 2007) plant bereits eine europäische Dependance, Start 2015. Demnach muss man wohl auf die Erklärseite Vox.com (gegr. 2014) noch acht Jahre warten, auf das Langform-Portal Quartz (gegr. 2012) sechs. Aber vielleicht geht es ja nun auch schneller, dass diese Angebote nach Deutschland kommen – die zeigen, dass Onlinejournalismus nicht nur aus Boulevard, Überspitzung und hastig zusammengeklöppelten DPA-Meldungen bestehen muss. Sondern aus Substanz. Zeit wird’s.

Womöglich müssen wir aber auch gar nicht auf die Amerikaner warten – bis Ende des Jahres sollten die Krautreporter und das Wissenschafts-eMagazin Substanz starten. Mal sehen, wie sie die Erwartungen an sie erfüllen können – und was der Eröffnungsort sie über sie aussagt.

Falk Heunemann, Autor in Berlin, schreibt die OC-Medienkolumne „Auf einen Klick“ jeden Donnerstag.

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