Bayern

Das Ende des Seehofer’schen „Mia san mia“?

Bayern kann alles besser, Bayern kann alles alleine – diese Botschaft vermittelt sein Ministerpräsident seit Jahren. Doch nun fordert Horst Seehofer plötzlich eine „nationale Anstrengung“ zur Bewältigung der Flüchtlingsprobleme. Was steckt dahinter?

Da schau her: Horst Seehofer entdeckt die Nation! Normalerweise ist das nichts besonderes für einen Unionspolitiker. Aber der CSU-Chef gefällt sich bekanntlich seit einiger Zeit in der Pose des Landesfürsten, der die Republik mit provinziellen Egoismen zur Weißglut treibt.

Ob Ausländermaut, ob Total-Opposition zu Stromtrassen, ob Länderfinanzausgleich: Stets geht’s um „Mia san mia“, immer ist das Hemd näher als der Rock, immer triumphiert Ressentiment über Ratio, immer wird unterschwellig die Botschaft transportiert: Bayern kann es besser, und vor allem: alleine.

Doch der verbale Maulheld im Amt des Ministerpräsidenten fordert jetzt eine „nationale Anstrengung“ – zur Bewältigung der Flüchtlingsprobleme. Daraus kann man einiges lernen.

Erstens: Seehofer weiß in Wahrheit, dass seine Kirchturm-Denke für die Probleme in dieser Welt nix taugt. Gegen die Krisen in Zeiten der Globalisierung und gegen deren Folgen kann man keine Zugbrücken hochziehen. Nirgends, auch nicht im reichen München.

Zweitens: Bayern ist offenbar doch nicht so stark, wie sein selbsternannter Landesvater immer tut.

Wie gesagt, Seehofer weiß das selbst am besten. Aber er macht Politik nach Tagesform, nach Stimmungslage, nach Partikularinteresse und, was besonders schlimm ist: notfalls wider besseres Wissen. Nachhaltiger kann man sich als verantwortlicher Staatsmann nicht disqualifizieren.

Matthias Maus, Journalist in der Nähe von München, beobachtet, unter anderem als langjähriger Chefreporter der Münchner „Abendzeitung“, die Landespolitik im Freistaat mit engagiert-kritischer Skepsis.

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