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Red Bull-Shit

Wer Red Bull trinkt, bekommt doch keine Flügel. Weil sich US-Kunden getäuscht fühlten, muss das Unternehmen nun Schadensersatz zahlen – ein Vorbild für Deutschland?

Red Bull verleiht doch keine Flügel. Für diese harte Wahrheit bekommen US-Kunden vom Getränkehersteller jetzt Schadensersatz: Mehr als 13 Millionen Dollar will Red Bull zahlen, um einer Massenklage zu entgehen, weil das Produkt nicht ganz so kickt, wie es soll. Wer zwischen 2002 und 2014 das flügellahme Getränk gekauft hat, kann sich nun mit Bargeld oder Red Bull-Produkten entschädigen lassen. Nur in den USA, natürlich.

In Deutschland ist so etwas ja leider eher schwierig. Dabei ist es Zeit, um auch ein paar andere Produkte für ihre unverschämten Versprechungen vor den Richter zu ziehen. Kellogg’s zum Beispiel. Als Kind habe ich mir immer Frosties kaufen lassen, denn „die wecken den Tiger in dir“. Voller Vorfreude habe ich die zuckrigen Flocken morgens mit Milch runtergeschlungen – aber ein Tiger wurde ich nicht. Es half auch nichts, die Schüssel auf den Boden zu stellen und von dort zu (fr)essen. Ich kroch immer noch müde wie ein Kätzchen zur ersten Schulstunde.

Geradezu verzweifelt bin ich als Kind im Supermarkt auch an den Überraschungseiern. In jedem siebten Ei sollte schließlich eine Figur drin sein. Nur, welches siebte Ei? Das von rechts, von links, von oben? Oder doch jedes siebte Ei, das ich gekauft habe? Hat jedenfalls alles nicht geklappt, waren immer nur die dummen Puzzles. Ich verklage also Ferrero auf meine entgangenen Happy Hippos, Drolly Dinos und Blumentopfzwerge. Mit Schokoladenhälftenzinsen.

Als Erwachsener wurde es mit den nicht eingehaltenen Versprechen auch nicht besser. Nach dem Genuss von König Pilsener wurde ich wider Erwarten nicht in den Adelsstand erhoben. Auch nach mehrfachem Genuss nicht. Ich fühle mich arglistig getäuscht. Zumindest ein paar Kronjuwelen möchte ich mir jetzt noch erstreiten. Oder eine Adoptionsurkunde von Prinz Frédéric von Anhalt. Aber ich weiß, wir sind nicht in den USA. Von daher wäre ich auch mit einem Kasten Bier zufrieden. Deal?

 Angelika Dehmel, Autorin in den Niederlanden, gehört zwar nicht zu den zahllosen Red Bull-Betrugsopfern, schleppt aber immer noch ein paar Kindheitstraumata von unerfüllten Produktversprechen mit sich herum.

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