Kolumne: Links gedreht

Atomkosten auf die Stromrechnung

Die Energiewende kostet Geld und ist obendrein schlecht gemanagt. Anders als bei der Atomkraft sind die Kosten für jeden auf der Stromrechnung ablesbar. Warum eigentlich?

Erst haben sie uns die Atomkraft als sicher verkauft. Dann haben sie uns die Atomkraft als billig verkauft.

Was die Sicherheit der Atomkraft angeht, kann man noch ein wenig Verständnis aufbringen. Die Medizin war in den Anfangsjahren eben noch nicht so weit, die unheilvollen Auswirkungen der unsichtbaren Strahlen zu überblicken. Wie sonst ließen sich Lehrfilme erklären, die zeigen, wie man sich bei Radioaktivität einfach unter den nächsten Tisch wirft und sich die stets bereit liegende Zeitung über den Kopf zieht („Duck and cover“). Doch das änderte sich bald.

Auch das Vertrauen in die Anlagensicherheit erhielt zwei schwere Schläge. Konnte man den GAU von Tschernobyl im Westen noch bequem auf den typisch sowjetischen Schlendrian schieben, war das nach Fukushima nicht mehr möglich. Die Sowjets waren weg. Und die Reaktoren im so korrekten Japan auch. In einem erdbebengefährdeten Gebiet errichtet und von einem Erdbeben geknackt.

Für den „billigen“ Atomstrom gab es reichlich Forschungsbeihilfen. Den Betreibern wurde später das Haftungsrisiko vom Staat gemindert und damit vom Steuerzahler – sie hätten ihre Meiler ansonsten gar nicht versichern können. Auch bei der Endlagerung drückte man gern ein Auge zu: Ein Endlager ist bis heute noch nicht einmal in Sichtweite.

Nach dem Beschluss zum Atomausstieg kommt die nächste Kostenlawine – der anstehende Rückbau der Reaktoren. Die Internationale Energieagentur hat jüngst in einer Studie die Höhe der absehbaren Aufwendungen angedeutet: Bis 2040 – so weit reicht der aktuelle „World Energy Outlook“ – werden demnach mindestens 100 Milliarden Dollar Kosten entstehen. Und zwar allein für die rund 200 Reaktoren weltweit, die in diesem Zeitraum das Ende ihrer Betriebsdauer erreichen werden.

Klingt nicht nach viel? Ist es auch nicht. Die Energieagentur selbst weist darauf hin, dass es bislang zu wenig Erfahrung mit den technischen Schwierigkeiten beim Atom-Rückbau gibt – und dass es deshalb „bedeutende Unsicherheiten“ bei der Kostenschätzung gibt. Einen Anhaltspunkt für Deutschland allein geben die Atomkonzerne: Sie wollen ihre Rücklagen in Höhe von gut 32 Milliarden Euro in einen Fonds einzahlen und sich damit von allen weiteren Verpflichtungen für ihre einstigen Goldesel loskaufen. Diese Summe wird der grausige Spaß also mindestens kosten.

Den Rest soll der Steuerzahler tragen. Die Stromkonzerne retten, obwohl er die Rechnung für die Rettung der Banken noch gar nicht abgestottert hat. Die Kosten für den Rückbau fänden sich ebenso wie die restlichen wahren Kosten des Atomwahns nicht auf seiner Stromrechnung, sondern schön versteckt und tief verborgen in Bundeshaushalt und Steuererklärung. Wo sie sich schon immer fanden.

Kai Makus, Autor im Peiner Land, schreibt die OC-Kolumne „Links gedreht“ jeden Montag.

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