Kolumne: Auf einen Klick

Warum subventioniert der RBB einen privaten Verlag?

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg will seine Inhalte über die Website der „Berliner Morgenpost“ verbreiten. Das ist keine gute Idee – für beide Seiten

Die Ankündigung klingt arglos: „Wir freuen uns über die Möglichkeit, neues Publikum zu gewinnen“, erklärte der RBB diese Woche in einer Mitteilung. Der Anlass jedoch ist beunruhigend: Der ostdeutsche Rundfunk Berlin-Brandenburg liefert künftig Videobeiträge an die Website der „Berliner Morgenpost“ (Mopo), eine Regionalzeitung, die seit einem Jahr zur Funke Mediengruppe gehört.

Nun ist grundsätzlich wenig dagegen zu sagen, wenn Medienunternehmen oder auch Redaktionen zeitweilige Kooperationen vereinbaren. Problematisch wird es jedoch, wenn einer der Beteiligten ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk ist, der durch die Rundfunkgebühr von allen Haushalten zwangsweise finanziert wird. Erst recht, wenn die Zusammenarbeit nicht auf ein einzelnes Projekt beschränkt bleibt.

Die Mopo und der RBB hatten bereits für das Recherche-Projekt “Recherche in den Köpfen” ihre Ressourcen kombiniert. Da jedoch war absehbar, dass dieses aufwändige Projekt endlich ist. Mit der neuen Kooperation ist es anders: Der RBB liefert künftig und zeitlich unbegrenzt Videos seiner wichtigsten Nachrichtensendung “Abendschau” an den Zeitungsverlag. Vermutlich erhoffen sich beide Seiten dadurch eine höhere Reichweite. Tatsächlich schaden sie sich damit nur auf Dauer.

Nötig hätte es die „Abendschau“ eigentlich nicht: Die Sendung hat knapp 300.000 Zuschauer und eine Einschaltquote von rund 27 Prozent im Sendegebiet. Und das, obwohl die ablenkungsreiche Großstadt Berlin dazu gehört. Nun ist die Zuschauerzahl allerdings auch in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. Die Alten sterben langsam aus und die Jungen haben Besseres zu tun. Im Internet Videos gucken zum Beispiel. Da ist es verständlich, wenn der RBB überlegt, wie er neue Zielgruppen erreicht. Dass der Sender aber dabei ausgerechnet die Mopo für eine Hilfe hält, ist so erstaunlich wie problematisch.

Das Blatt hat eine Auflage von rund 100.000, Tendenz stark fallend. Die MoPo ist nicht gerade die erste Adresse für Menschen unter 50, um sich über die Geschehnisse in der Hauptstadt zu informieren. Auch nicht die zweite. Oder dritte. Die Zeitung mag vor Jahren renommierte Journalistenpreise gewonnen haben, wurde aber seitdem von Springer substanziell kleingeschrumpft, die überregionalen Berichte kamen von der „Welt“ (der es kaum besser geht). Freie wie Redakteure wurden abgebaut, der eigene Ton, die eigene Recherche ging dabei verloren. Und damit auch die Gründe, überhaupt zur Mopo zu greifen.

Wenn der RBB nun journalistische Beiträge der Mopo zur Verbreitung überlässt, subventionieren damit die Gebührenzahler in Berlin und Brandenburg einen Verlag, der im harten Wettbewerb auf dem Berliner Zeitungsmarkt um neue Leser kämpft. Der Mopo wird das wenig nutzen: Wer RBB sehen will, dürfte kaum dauerhaft auf die Mopo-Website gehen. Zugleich werden sich die Verantwortlichen einbilden, auf diese Art und Weise billiger an Inhalte zu kommen, als sie von eigenen Mitarbeitern erstellen zu lassen. Die Mopo wird damit journalistisch noch beliebiger.

Der RBB (jährliche Einnahmen 411 Mio Euro) wiederum schärft damit kaum sein Profil. Vielmehr gibt er sogar jenen Recht, die immer behaupten, dass die Medien alle das Gleiche bringen. Vielleicht sollte er mehr überlegen, wie er mehr Themen für Leute unter 50 aufgreift und aufbereitet – statt seine alten Themen über eine noch ältere Tageszeitung zu verbreiten.

Nun ist es nicht der erste Fall von öffentlich-rechtlicher Verlagssubvention. NDR und WDR haben mit der „Süddeutschen Zeitung“ – immerhin die auflagenstärkste Überregionale – einen “Rechercheverbund” aufgebaut. Privatsender wie RTL, Sat1 und CNN oder auch diverse Regionalsender haben dagegen über ihren Lobbyverband VPRT kürzlich Beschwerde beim Land Nordrhein-Westfalen eingelegt: Es handele sich hierbei um eine “unzulässige Quersubventionierung” einer Zeitung durch Gebührengelder.

Das ist bei der Kooperation von RBB und Mopo noch offensichtlicher. Offenbar macht diese Form der Kooperation Schule. Zu Lasten der Gebührenzahler. Und zu Lasten der journalistischen Qualität.

Falk Heunemann, Autor in Berlin, schreibt die OC-Medienkolumne „Auf einen Klick“ jeden Donnerstag.

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