Kolumne: Warkentins Wut

Die Lehren aus dem Anschlag von Berlin

Der islamistische Terrorismus ist in Deutschland angekommen. Jetzt muss sich zeigen, ob der gesellschaftliche Zusammenhalt ausreicht, um unsere Werte zu verteidigen.

Dass Deutschland nicht die Insel der Seligen ist und Ziel islamistischer Attentäter werden würde, war so sicher wie das Amen in der Kirche. Nur Ort und Zeitpunkt eines Anschlages lagen im Dunkeln. Um so schwerer traf der Lkw-Anschlag auf dem belebten Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche das Land in seiner vorfestlichen Stimmung. Zwölf von einem schweren Lastwagen tot gefahrene Menschen, dazu an die 50 zum Teil Schwerverletzte sind schon an normalen Tagen nur schwer zu verkraften. Um so schmerzhafter ist ein Anschlag, wenn er vier Tage vor dem Heiligen Abend verübt wird.

Bislang hat Deutschland Glück gehabt. Dank Hinweisen ausländischer Geheimdienste und der eigenen Tüchtigkeit konnte die Polizei mehrere vom Islamisten geplante Anschläge noch in der Anfangsphase aufdecken und Verdächtige dingfest machen. Jetzt gilt es, die Sicherheitskräfte ihre Arbeit machen zu lassen, damit die Täter vor Gericht gestellt werden und ihre Strafe erhalten. Dass den Ermittlern mit einem jungen Pakistani möglicherweise der falsche Mann ins Netz gegangen ist, gehört zum Polizeialltag und sollte von Schuldzuweisungen abhalten.

Dass die Rechtaußen von der AfD den Anschlag für ihre Rundumschläge gegen Merkels Flüchtlingspolitik missbrauchen würden, war klar. Solche Leute richten sich selbst, und die Zivilgesellschaft sollte die Schreihälse von der AfD da lassen, wo sie hingehören: Rechtsaußen und im Abseits.

Noch ist Vorsicht angebracht, weil der wirkliche Attentäter von Berlin wohl noch frei und bewaffnet herumläuft. Dennoch sollten wir möglichst rasch zur Normalität zurückkehren. Denn eine verängstigte Gesellschaft ist das Ziel der fanatisierten Attentäter und macht sich um so mehr zum Ziel weiterer Anschläge.

Volker Warkentin ist Journalist und Autor in Berlin. Seine OC-Kolumne „Warkentins Wut“ erscheint wieder am 6. Januar 2017.

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