Kolumne: Was mich bewegt

Vorsicht vor den Surferfängern

Konservative Politiker fordern die Wiederbelebung des alten TV-Formats „Der 7. Sinn“, um über das Web aufzuklären. Völlig daneben ist der Vorstoß nicht.

Im Februar ging ein Vorstoß der CDU beinahe unter: Die IT-Experten der Konservativen, darunter Thomas Jarzombek, wollten die Fernsehsendung „Der 7. Sinn“ wiederbeleben. Statt über Verkehrsregeln sollte über das richtige Verhalten im Web aufgeklärt werden. Die Idee wurde eher bespöttelt als ernst genommen. Doch ganz falsch war sie nicht.

Schließlich bringt das Internet noch reichlich Probleme mit sich. Zwar ist die Bedienfreundlichkeit durch Smartphones und Tablet-PCs gestiegen. Eine ganz und gar altbackene Rentner-Sendung, die Grundlagen vermittelt, braucht es also nicht. Doch viele Verbraucherthemen und auch der Datenschutz im Web werfen immer noch Fragen auf. Denn das Web entwickelt sich ständig weiter. Immer wieder versuchen Menschen, online Geld zu verdienen. Nicht immer genügen ihre Geschäftsmodelle den Gesetzen oder sind zumindest fragwürdig. Manches Angebot entpuppt sich schlicht als Abzocke. Hinzu kommen Hatespeech, Hackerattacken und das fragwürdige Verhalten von Geheimdiensten beim Umgang mit der Privatsphäre der Bürger.

Einen siebten Sinn, also einen intuitiven Umgang mit Webanwendungen zu entwickeln, fällt da selbst Experten schwer. Allzu schnell entwickelt sich das Web weiter, allzu schwierig ist immer noch die Rechtslage, allzu kurz der Hebel der Justiz, beim Datenschutz wie beim Verbraucherschutz. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn große US-Konzerne wie Facebook oder Google oder gar Geheimdienste fragwürdige Praktiken an den Tag legen.

Dennoch sollte über die nächste Abmahnwelle, eine neue Phisching-Masche, einen gefährlichen Virus, versteckte Kosten bei einem neuen Online-Dienstleister oder anfällige Hardware aufgeklärt werden. Und das kann gerne auch mit einer zeitgemäßen Sendung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen geschehen. Bloß wäre das dann eher eine Neuauflage von „Vorsicht Falle!“, der Sendung, mit der einst Eduard Zimmermann vor Betrügern, Drückerkolonnen etwa, warnte. Sie entspräche weitaus mehr als andere Formate der deutschen Fernsehvergangenheit den Problemen, die das Web heutzutage mit sich bringt.

Wie so eine Wiederbelebung genau von statten gehen könnte, darüber lässt sich trefflich mutmaßen. Ein Youtube-Kanal und jemand mit Glaubwürdigkeit und Sachverstand als Moderator wären ein richtiger Anfang. Dann ließe sich noch der Untertitel aktualisieren: Statt „Nepper, Schlepper, Bauernfänger“ könnte es etwa „Nepper, Schlepper, Surferfänger“ heißen.

Sebastian Grundke, freier Journalist in Hamburg, schreibt die OC-Kolumne „Was mich bewegt“ jeden Freitag.

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